Gina   -    Vermittelt   -    Update vom 03.04.2012
 
GINA in ihrem neuen Zuhause

Gina ist in ihrem neuen Zuhause angekommen. Die ersten 24 Stunden bei ihren neuen, sehr erfahrenen Besitzern verliefen vielversprechend. Auszug aus der E-Mail der Besitzerin an uns von heute, 9.Februar: "Vielen, vielen Dank für die super Unterstützung von Ihnen und die einzige Hilfe die Gina und ich in den 6 Jahren bekommen haben!!!"  Weiterer Bericht und Fotos folgen. 


GINA in ihrem neuen Zuhause – die ersten Tage

Gina traf mit ihrer Besitzerin am 8. Februar um 11 Uhr vormittags bei uns ein. Als diese ihr Auto in unsere Einfahrt einparkte, lief Gina, die schon vorher ausgestiegen war, in heller Aufregung nebenher. Die Besitzerin hatte neben dem Übernahmevertrag eine große Tasche mit Halsbändern, Leinen, Spielzeug und Leckerchen dabei. Dank einer ebenfalls mitgebrachten Kuscheldecke machte Gina es sich gleich in einem der vorbereiteten Körbe gemütlich.

Wir erfuhren sehr viele Einzelheiten aus Ginas Leben und konnten verschiedene Situationen auch gleich am praktischen Beispiel beobachten. Nach einem kleinen Mittagsimbiss brachen wir zu einem ausgedehnten Spaziergang auf. Aufgrund des herrlichen Wetters waren einige Hundehalter unterwegs, alle Begegnungen verliefen sehr harmonisch und unkompliziert. Gina ist eine selbstbewusste Dame, die jedoch aufgrund ihrer wechselhaften Vergangenheit stets in Sicht- bzw. Rufweite bleibt. Nach Abwicklung aller Formalitäten verabschiedete sich die Besitzerin ganz unspektakulär, Gina lag zu dieser Zeit eingerollt in ihrem „neuen“ Körbchen und döste friedlich vor sich hin.

Nachdem sie etwas zur Ruhe gekommen war, fuhren wir gemeinsam los, um im benachbarten Ort einen Sack Futter zu kaufen. Auf dieser relativ kurzen Strecke demonstrierte Gina, dass sie problemlos im Auto „umsteigen“ kann. Daran werden wir die nächsten Tage arbeiten. An diesem Abend war sie noch etwas aufgeregt und hatte aus dem Grund keinen allzu großen Hunger, wir hoffen, dass sich das in den nächsten Tagen einpendelt.

Am Abend machten wir einen ausgedehnten Spaziergang mit einigen Gehorsamkeitsübungen und Befehlen, die Gina nahezu tadellos ausführte. Sie ist sehr gelehrig und versteht schnell, worauf es ankommt. Kleine Unsicherheiten konnten wir sofort beheben. Wieder zu Hause angekommen, sanken wir alle etwas durchfroren, aber rechtschaffen müde und glücklich in unsere Betten, Gina schlief in ihrem vor unserer geöffneten Schlafzimmertür positionierten Korb tief und fest, bis heute morgen der Wecker läutete. Da stürmte eine energiegeladene Gina an jede Bettseite und rieb ihren Kopf an unseren Beinen, als wollte sie sagen: „Aufstehen, ihr Faulpelze!“ So schnell bin ich noch nie aus den Federn gehüpft!

9. Februar 2012

Nach der Morgentoilette vertilgte sie ihr Frühstück mit großem Appetit. Beim anschließenden Spaziergang machte sie dann Bekanntschaft mit einem befreundeten Rüden, einem 7 Jahre alten russischen Terrier. Die beiden verstanden sich auf Anhieb und tollten vergnügt miteinander. Diese neue Hundefreundschaft wird Gina die Eingewöhnungszeit ganz sicher versüßen und erleichtern.

Im Anschluss an dieses schöne Erlebnis fuhren wir mit Gina an ihren „Arbeitsplatz“. Sie ist sehr neugierig und aufgeschlossen, möchte alles genau kennen lernen. Wenn sie sich ein Bild von der jeweiligen Situation gemacht hat, kann sie sich entspannt an ihren Ruheort begeben. Bei Unsicherheiten grummelt sie ganz leise und zieht die Lefzen hoch, lässt sich jedoch gleich mit einer Gehorsamkeitsübung ablenken. Sie hat ein superliebes Wesen und ist freundlich zu jedem Zwei- und Vierbeiner, ob männlich oder weiblich, jung oder alt, groß oder klein. Kurzum. Ein Traum von Hund!

Zur Zeit arbeiten wir noch an Gina’s Geltungsbedürfnis, ihr Wunsch, immer im Mittelpunkt zu stehen, hat aber schon deutlich nachgelassen.

Abends sind wir eine große Runde um die Fischteiche gelaufen und haben das Bei Fuß gehen geübt. Sie ist noch sehr schnell, wir haben dann einige Male die Richtung gewechselt, damit sie besser auf uns achtet und das entsprechende Tempo hält. Gina macht bei allen Aufgaben sehr gut mit und ist äußerst kooperativ, nur manchmal überlegt sie noch, ob unsere Anordnungen sinnvoll sind. Wir sind aber sehr zuversichtlich, dass wir ein gutes Team werden und Gina sich bestens integriert.

10. Februar 2012

Heute Morgen ist schon alles entspannter. Gina geht nach der ersten Begrüßung noch mal in ihr Körbchen zurück und wartet auch geduldig, bis wir mit unserer Morgentoilette (inkl. Dusche) fertig sind. Die Frühstücks-Vorbereitungen machen sie (noch?) etwas nervös, auch ihr Futter, das ich anschließend bereitstelle, frisst sie mit häufigen Unterbrechungen. Auch knurrt sie den Napf manchmal leise an und zieht ihn mit der Pfote zu sich, leider können wir diese zeichen nicht deuten…Werde als nächstes Mal eine andere Futtersorte ausprobieren. Sie macht sich wirklich nicht allzu viel aus Futter, sucht und frisst aber brav die Lulus, die ich ab und zu für sie verstecke.

Heute Morgen ist Gina draußen sehr ausgelassen, eine Begrüßung des Nachbar-Hundes verläuft auch an der Leine sehr harmonisch. Kommandos wie An- und Ableinen, Komm, Sitz und „such das Lulu*“ klappen ganz prima, auch das Bei-Fuß-Gehen wird besser. Alles braucht seine Zeit.

*(Lulu ist unser Wort für kleine Hundeleckerchen)

Zuhause hat Madame zum ersten Mal das Sofa erklommen; sie weiß auch ganz genau, dass sie das nicht soll! Ich war wohl vor Schreck etwas laut, wir haben bemerkt, dass sie das gar nicht mag, sie reagiert überhaupt äußerst sensibel auf Geräusche.

Gina ist gehorsam und gelehrig, aber auch sehr intelligent. Ihre Angewohnheiten, auf das Sofa zu steigen, aus dem Fenster zu sehen oder Türen zu öffnen, entspringen aber unserer Meinung nach eher der Tatsache, dass sie in der Vergangenheit diesbezüglich keine klaren Anweisungen bekam. Auch ihre Fähigkeit, aus dem Stand 2 Meter hoch zu springen, hat sie bei uns bis jetzt noch nicht unter Beweis gestellt.

Während ich diesen Bericht schreibe, liegt Gina ganz friedlich in ihrem Körbchen nebenan. Sie muss ja erst mal alle Geräusche kennen lernen und Vertrauen fassen. Meine Beobachtung ist, dass sie sehr stark auf Nervosität ihrer Zweibeiner reagiert und dann evtl. unerwünschtes Verhalten an den Tag legt. Sie dafür zu bestrafen, wäre falsch  und ungerecht!

Gina genießt jede Entspannungsphase sichtlich. Ein kleines Mittagsschläfchen macht sie schon gerne mit, auch leise Musik von Radio oder Band ist kein großes Problem mehr. Rechtes und linkes Pfötchen geben funktioniert mit Würstchen als Belohnung immer besser! Da könnte man sich glatt dran gewöhnen… 

11. Februar 2012

Guten Morgen! Unser neues Familienmitglied hat sich schon an „unsere“ Zeiten gewöhnt- am Wochenende geht eben alles etwas langsamer! Nachdem Gina ihr Bett in der Nacht schon einmal gemacht hat^^, wartet sie geduldig bis kurz vor 7 Uhr mit ihrer Begrüßung. Nach dem Anziehen stürzt sie sich auch freudig auf ihr Frühstück, frisst aber nur eine kleine Menge. Dabei sucht sie noch oft Aufmerksamkeit und grummelt manches Mal vor sich hin. Wir haben ihren Fressplatz ins Wohnzimmer verlegt, damit sie durch unsere Frühstücksvorbereitungen nicht abgelenkt und gestresst wird. Nehme ihr das Futter nach 3 Unterbrechungen (in denen sie immer wieder rauskommt und uns fragend ansieht)  weg, sie soll lernen, in Ruhe zu fressen und sich an feste Futterzeiten gewöhnen.

Nach dem Frühstück folgt ein ausgelassener langer Spaziergang bei herrlichem Winterwetter. Zwischendurch üben wir Richtungswechsel, „Lulu suchen“, „komm“, und vieles andere. Gina macht alles sehr gut mit, braucht zwischendurch aber auch Entspannung. So sucht sie sich z.B. selbst ein Stöckchen und fordert uns zum Spiel auf, damit löst sie ihre Anspannung auf geniale Weise. Wir sind sehr lang unterwegs, treffen aber nur einen Spaziergänger, der mit seinen beiden Vierbeinern lieber das Weite sucht. Gina ist sehr enttäuscht!

Zuhause angekommen muss Gina das immer gleiche Ritual über sich ergehen lassen. „Sitz“-„Ableinen“ „rechtes Pfötchen abtrocknen – linkes ~ - rechtes Hinterpfötchen ~ - linkes ~“ So lernt sie gleichzeitig Pfötchen geben und zwar mit beiden Seiten, was wir oft anwenden, um unsere Position zu festigen, wenn sie „die Chefin raushängt“.

Gina ist lieb und folgsam, wenn sie erkennt, dass ihre Rudelführer zur Führung des Rudels geeignet sind – uns sie testet es täglich neu aus! -, trotzdem wird es sicher noch eine Zeit lang dauern, bis sie alle Unsicherheiten abgebaut hat. Da wir vorher ausschließlich mit Schlappohren (Beagle und andere Jagdhunde) zusammengelebt haben, sind das auch für uns neue Erfahrungen; es ist aber nicht schwer, Gina zu verstehen, sie äußert sich sehr klar. Die langjährige Erfahrung mit unseren „Brackenschädeln“ erleichtert das Zusammenleben jedenfalls ungemein!!!

Den Nachmittag verschläft Gina friedlich in ihrem Korb, während jeweils einer von uns auf dem Sofa sitzt und liest. Heute Abend müssen wir sie für 1-2 Stunden bei unserer Freundin mit dem Russenterrier abgeben, wir hoffen, dass es gut und ohne Probleme klappt. In der nächsten Zukunft werden wir unsere Termine wohl nur einzeln oder mit Hund absolvieren können…

Auf dem Rückweg unserer Nachmittagsrunde sehen wir Misha von weitem und holen ihn und sein Frauchen ein; bei einer Stippvisite kann Gina schon mal Treppen steigen üben und ihr Gastdomizil inspizieren. Wir geben sie eine Stunde später mitsamt ihrer Decke, einigen Kauartikeln und einer kleinen „Anleitung“ dort ab und fahren zu unserem Termin. Als wir am Abend wieder vor der Tür stehen und klingeln, können wir ihre Wiedersehensfreude förmlich spüren: sie tobt durch den Flur, springt hin und her und an uns hoch, schleckt uns ab und kann sich gar nicht beruhigen, Misha bellt dazu, er ist wohl etwas eifersüchtig…Freunde fürs Leben also!

Für Gina ist die Welt jedenfalls wieder in Ordnung, als wir sie in die Arme schließen- was mag sie wohl gedacht haben? Heute Nacht werden wir doppelt gut schlafen und süß träumen!

12. Februar 2012

Gääääääääähn…es ist doch Sonntag! Gina steigt anstandslos noch mal in ihr Schlafkörbchen, bis wir sie dann in den Garten lassen. Nach dem Frühstück ist erst noch mal Ruhen angesagt, sie verkrümelt sich dazu ins Wohnzimmer. Ans Fenster oder auf das Sofa zu steigen hat sie anscheinend schon vergessen.

Madame testet heute zum ersten Mal Grenzen aus, sie fühlt sich also jetzt zu Hause! Die Morgenrunde beschert ihr eine neue Hundebekanntschaft und beide Hündinnen toben ausgelassen fast den ganzen Weg lang. Ihr Medikament gegen die Blasenschwäche nimmt Gina weiterhin brav ein, wir haben aber vor, langfristig auf ein homöopathisches Mittel umzusteigen und die Inkontinenz damit – hoffentlich - ganz zum Verschwinden zu bringen.

Nächste Woche werden wir sie zum ersten Mal zu Freunden mitnehmen, bis dahin muss die „Besuchstauglichkeit“ noch gefestigt werden. Gina neigt zur Überforderung, man muss Spiel- und Arbeitsphasen gleichmäßig abwechseln. Wenn einer von uns mal aus dem Haus geht, fiept sie noch vor sich hin, dafür ist die Wiedersehensfreude unbeschreiblich! Sie ist uns jetzt schon so ans Herz gewachsen, dass wir sie nie mehr hergeben möchten!

Heute hat Gina ihre Abendmahlzeit komplett gefressen. Nebengeräusche irritieren sie noch leicht, aber nicht mehr so stark, dass sie das Wesentliche vergisst. In einigen Tagen lässt sie sich sicher nicht mehr bei ihren Mahlzeiten stören.

Sie genießt die Ruhe und verzieht sich jetzt häufig in ihr Körbchen. Das „Zerwühlen“ der darin befindlichen Decken kann man mit dem Kommando „ordentlich machen“ sofort unterbinden, sie steigt dann auch bereitwillig aus und legt sich anschließend gern wieder ins ordentliche Bett (!).

Jetzt geht’s erst mal zur Abendrunde! Die geht Gina an der kurzen leine, damit sie ihr tempo an unseres anpasst, es klappt schon ganz gut, nur manchmal verfällt sie noch ins Ziehen. Fast wieder zu Hause, kommt ein kleiner Mops aus einem Hof angelaufen und knurrt Gina ganz frech an; sie überlegt kurz, täuscht an und wendet sich dann total uninteressiert ab, worauf der faltige Winzling auch das Weite sucht.

Wieder neigt sich ein Tag dem Ende zu; es macht sehr viel Spaß, zuzusehen, wie Gina immer sicherer wird. Bis morgen!

13. Februar 2012

Die erste Nacht, die Gina nicht in ihrem Körbchen vor unserem Schlafzimmer, sondern im großen Korb im Wohnzimmer verbracht hat, liegt hinter uns. Heute Morgen um 4 Uhr ist sie ganz leise hochgeschlichen. Auch die stürmische Begrüßung an der Bettseite ist ausgefallen- das fehlt einem schon richtig!

Ihr Frühstück hat sie nicht ganz aufgefressen, den Napf mit dem Futterrest habe ich ihr nach 2maliger Erinnerung weggenommen. Sie wird sicher bald lernen, sich satt zu fressen, bis es am Abend wieder etwas gibt. Die Morgenrunde verläuft unspektakulär, Gina geht aber schon gut bei Fuß.

Im Auto fährt sie jetzt auch gut mit, macht auch keine Anstalten mehr, „umzusteigen“, auch hier wird eine gewisse Routine ihr die Sicherheit geben. Ihren „Arbeitsplatz“ muss sie noch besser kennen lernen, den ersten Kunden beobachtet sie jedenfalls sehr interessiert! Auch hat sie es gern warm und kuschelig, am liebsten liegt sie direkt vor der Heizung. Diese Jahreszeit ist nicht wirklich was für sie!

Alle Spaziergänge mit Gina verlaufen sehr harmonisch. Sie ist wirklich sehr freundlich zu Jedem, ob 2- oder 4Beiner, Männlein oder Weiblein, jung oder alt. Wenn Gina knurrt, stimmt etwas nicht! Na ja, sie knurrt nicht mehr, vielmehr grummelt sie leise. Ist aber bis jetzt erst ein einziges Mal vorgekommen, beim Zusammentreffen mit einem deutschen Schäferhund; Unseres Wissens hat der aber mit jedem Hund ein Problem…

14. Februar 2012

Heute war unsere Süße mal wieder anhänglich und hat die Nacht in ihrem Schlafkörbchen verbracht. Das Frühstück wird fast in einem Ruck verzehrt, es bleibt nur ein kleiner Rest. Ginas Geräuschempfindlichkeit lässt langsam nach, das ist auch draußen von Vorteil. Sie lässt sich durch das Gebell eines Artgenossen nicht aus der Ruhe bringen, man kann sie wie immer rufen und anleinen.

Heute holen wir Misha ab, er wird die nächsten 3 Wochen mit uns verbringen, sein Frauchen ist heute in die Kur gefahren und wir haben unser Domizil für die nächsten Wochen hier bezogen. Nach der Morgenrunde geht es zur Arbeit. Der erste Tag ist noch etwas chaotisch und jedes Klingeln veranlasst zum Bellen. In der Mittagspause spielen die beiden schön miteinander und lösen so ihre eigene Anspannung. Wir hoffen, dass es in der kommenden Zeit ruhiger wird und sich beide an den „Berufsalltag“ gewöhnen.

Nur noch selten kehrt sie Imponiergehabe raus und bleckt die Zähne, hauptsächlich dann, wenn sie gestresst ist. Sie weiß ganz genau, dass das sehr beeindruckend aussieht! Da zieht sie bei Herrchen allerdings den Kürzeren, er ist stinksauer! Dann doch lieber gehorchen…

Die Heimfahrt verläuft auch etwas stressig, beide müssen sich – auch im Auto – miteinander arrangieren! Kurz vor dem Ziel müssen wir anhalten und noch mal Klartext reden, dann können wir weiterfahren. Beim Kochen und Essen am Abend liegen beide entspannt auf ihren Plätzen, nachdem die Abendrunde absolviert ist. Beide sind natürlich wieder sehr sensibel für alle Geräusche im Haus, da muss man so ziemlich von vorn anfangen, die Ruhe der Zweibeiner überträgt sich aber recht schnell. Noch die Medizin einnehmen – „braaaaaaaaaaaav, Gina“ – und dann fallen wir in unsere Betten.

15. Februar 2012

Gina, die ihr Schlafkörbchen bei uns im Zimmer hat, weckt uns um kurz nach 6 Uhr. Beim Gang ins Bad komme ich an Misha vorbei, der im Flur geduldig auf meine Begrüßung wartet. Vor dem Frühstück gehen wir raus, da es hier keinen Garten gibt. Ihr Futter nehmen beide in getrennten Räumen ein, da Gina schon mal die Schnauze in Mishas Napf gesteckt und den Inhalt für sehr lecker befunden hat!

Anstelle von Würstchen liegen jetzt „Lulus“ (die, die jedem Hund schmecken…) für besondere Erziehungserfolge bereit. Hier gibt es Fenster, die bis zum Boden reichen, und eine Katze, die draußen über den Hof läuft, veranlasst beide zu lautstarker Bellerei.

Es ist einfach wieder alles neu und zu zweit fühlt man sich natürlich stark! Mit der Zeit wird sich aber auch hier eine Routine einstellen, das zeichnet sich schon ab, ich stelle wieder einmal fest, dass es dabei sehr auf die Menschen ankommt. Ruhe wie Unruhe überträgt sich gleichermaßen auf den Hund.

Die Fenster sind sehr interessant für Gina, sie hat es schon gut raus, sich strategische Plätze zu suchen, das kennt sie scheinbar. Also, jedes Mal, wenn sie am Fenster bellt, einmal mit der Blechschüssel energisch auf den Fliesenboden klopfen und Gina kommt zurück. Am Fenster ist sie derart angespannt, dass sie alles um sich vergisst, so kann ich mit der Schüssel in Positur gehen. Ich hoffe, dass wir das so in den Griff bekommen; auch schlechte Angewohnheiten lassen sich leider nicht so schnell ablegen.

Zur Belohnung fürs Kommen auf Zuruf erhält Gina ab und zu einen Kauknochen, den sie dann auch wie wild bearbeitet. Sieht so aus, als würde das „Aufpassen“ am Fenster ihr ganz schönen Stress bereiten… Misha sieht etwas beleidigt zu, er hat aber auch vorher schon 2 Büffelhautrollen hingebungsvoll verspeist.

An diesem Tag muss ich noch einige Male mit der Blechschüssel „Krach machen“, denn: gemeinsam sind wir stark! Als am Nachmittag Besuch kommt, wird der schon an der Wohnungstür lautstark empfangen. Nach der freudigen Begrüßung benehmen sich beide aber großartig und liegen brav auf ihren Plätzen, während wir uns bei Kaffee und Obstsalat angeregt unterhalten. Zum Glück haben sich beide vorher draußen ausgetobt.

Gina wird zunehmend sicherer. Wenn ihr etwas nicht gefällt, kräuselt sie die Nase und grummelt, dann muss man reagieren, wir geben meistens sehr streng den „Platz“ – Befehl und lassen sie etwas machen, wobei sie wieder ein positives Erlebnis hat. Die Verhaltensmuster sind tief eingefräst und lassen sich nur sehr langsam korrigieren. Es könnte aber schlimmer sein- wenn man ihre Vorgeschichte betrachtet…

16. Februar 2012

Gina lebt sich immer besser ein, ihr Körbchen wollte sie gestern Abend aber doch lieber selbst einrichten, mit Ordnung hat sie es da nicht so. Da sie ansonsten sehr fügsam ist, darf sie es sich also gemütlich machen.Die letzten Tage haben wir „bei Fuß gehen“ geübt, und Gina lernt mit der Zeit, Schritt zu halten. Manchmal fällt es ihr schwer, dann tritt der Dickschädel in Erscheinung- irgendwie hat sie wohl auch einen Anteil Beagle in den Genen?

Heute klappt das Einsteigen und die Fahrt zur Arbeit problemlos! Gina ist zwar etwas angespannt und lugt die ganze Fahrt über zwischen meinem Kopf und der Autotür hervor, verhält sich aber ansonsten ruhig. Mishas Gelassenheit färbt wohl ab? Der Russe liegt völlig unaufgeregt hinter uns und harrt der Dinge, die da kommen.

Gina ist relativ folgsam und lieb, lässt sich auch gut lenken, sie probiert aber immer wieder kleine Machtkämpfe und testet die Wirkung… Tagsüber fangen die beiden öfter miteinander zu spielen an, sie haben sich schon gut aneinander gewöhnt. Bei der Mittagsrunde wird der Stress mit Toben abgebaut. Später kommt unser Sohn zu Besuch und in Misha regt sich der Beschützerinstinkt, Gina versucht, aufzureiten und demonstriert Dominanz. Man muss also jetzt strenger sein. Die Fahrt nach Hause würde Gina am liebsten auf dem Vordersitz verbringen und drängt sich massiv zwischen uns nach vorn, wir können sie nur mit einem starken Arm zurückhalten. Nach der Arbeit gehen wir gleich die Abendrunde, um uns danach in Ruhe dem Futter zu widmen. Gina muss diesmal ihr Futter „zusammensuchen“, nachdem sie mehrmals Befehle missachtet hat. Ihre Medizin nimmt sie dann gehorsam.

Am Abend ist Herrchen mit Gina allein. Als er ihr eine Lebensmittel-Verpackung beherzt abnehmen will, die sie sich unerlaubt geschnappt hat, springt sie aus dem Stand und schnappt in den Oberarm. Der Pulli ist kaputt und es gibt eine kleine Verletzung. Zum Glück kann Herrchen wieder eine überlegene Position einnehmen und Unterordnung üben. Sie geht dann allein in ihr Schlafkörbchen und schläft nach einer Schmollrunde ein.

17. Februar 2012

„Runter vom Bett!“ ist nach dem Wecken einer der ersten Befehle, den Gina ausführen muss- ganz schön übermütig heute Morgen! Nach dem „Gassi - Gehen“ gibt es Frühstück für Gina, allerdings aus meiner Hand, einzeln hingestreut. Sie soll merken, wer der Chef ist- und das ist in jedem Fall nicht sie!!!

Um die Situation im Auto abzumildern, klappen wir die umgelegte Rückbank wieder hoch, auch die Kopfstützen werden hochgestellt und Misha bekommt die Wolldecke auf den Rücksitz. Gina kann nun nur noch links und rechts von den Kopfstützen hervorlugen und muss hinten sitzen bleiben, akzeptiert es auch gut. So verläuft die Fahrt recht entspannt, denn jeder von Beiden hat seinen abgegrenzten Platz.

Im Geschäft muss natürlich immer noch „Krach“ gemacht werden, wenn man hier Geräusche hört, und bei jedem Klingeln gilt es, die Rasselbande erst mal wieder zu beruhigen. Für beide ist es ja neu, und so üben wir geduldig weiter.

Gina versteht langsam, was bei Fuß gehen heißt, denn es gefällt ihr gar nicht, wenn es so an der Leine ruckelt. Linkes und rechtes Pfötchen gibt sie gern, zu putzig, wenn der russische Riese neben ihr sitzt und meine Anordnungen schneller ausführt, um so ein Leckerchen zu ergattern! Leider hat er von seinem Frauchen einen strikten Ernährungsplan bekommen, der gerade das verbietet…

Neue Geräusche sind immer noch eine große Herausforderung für Gina, teilweise reagiert sie verängstigt. Hier ist ihr Körbchen unter dem Schreibtisch dann wieder ein sicherer Zufluchtsort. Trotzdem probiert sie immer wieder, in der Rangordnung aufzusteigen und da müssen wir uns sehr zusammenreißen, absolute Konsequenz ist hier gefragt! Wir sind durch unsere „Schlappohren“ doch etwas verwöhnt!

Nach einem längeren Telefonat, aus dem wir gestärkt rausgehen, probieren wir es mit Ignoranz- und siehe, es wirkt! Natürlich muss Gina erst mal richtig bei uns ankommen und sich an alles gewöhnen, aber bei ihrem bisherigen Verhalten ist genau das das Mittel der Wahl. Sie beobachtet uns ganz genau und scheint sehr bemüht, sich gut zu benehmen. Wir sind erleichtert, dass wir mit einem so einfachen, aber wirkungsvollen Mittel unserem Ziel ein Stück näher kommen. Da wird mal wieder der Unterschied zwischen Mensch und Hund deutlich!

Als wir nach der Arbeit noch mal eine Runde laufen wollen, kommen uns auf der Strasse einige junge Männer entgegen, lautstark grölend und lärmend. Gina ist außer sich und bäumt sich grummelnd und bellend an der Leine auf, Misha steht ihr in nichts nach. Wir müssen uns beide festhalten, um der Gewalt am Ende der Leine zu widerstehen. Anschließend fährt laut röhrend ein Traktor vorbei, der pure Stress für Gina. Ich muss sie erst mal zur Ruhe kommen lassen, bevor wir weitergehen können, ihr Verhalten zeigt uns aber, dass es in ihrer Vergangenheit ähnliche unschöne Erlebnisse gegeben haben muss.

Auf der großen Wiese mitten im idyllischen Naturschutzgebiet leinen wir beide zum Spielen ab und sie preschen gleich los. Die Erlebnisse von eben müssen verdaut und die Anspannung gelöst werden, das gelingt an diesem jetzt doch friedlichen Abend ganz gut. Beide werden, zur Sicherheit, erst wieder angeleint, als sich zwei dunkel gekleidete Gestalten nähern. Noch eine kleine Einkaufspause, bei der Gina und ihr Freund brav im Auto bei Herrchen warten, dann geht es nach Hause.

Heute Abend bekommt Gina wie in den nächsten Wochen ihr Futter aus meiner Hand, und sie muss dafür arbeiten. „Sitz“, „Platz“ (das gefällt ihr gar nicht), „linkes Pfötchen“, „rechtes Pfötchen“, „such das Lulu“, „fang das Lulu“ – immer abwechselnd und immer schneller, das macht sie echt müde! Seit es nicht mehr so bequem ist, frisst sie ihren Napf nicht mehr ganz leer, sie schleicht zur Tür und ist froh, dass sie jetzt eine Pause hat. Im Lauf des Abends nehme ich ihr auch vor ihren Augen die geliebte Kuscheldecke weg.

Sie akzeptiert es ohne Murren. Brav!

18. Februar 2012

Samstag, Wochenende! Wenn der Wecker das erste Mal läutet, kommt Gina zur Begrüßung, den Befehl „geh noch mal ins Körbchen“ versteht sie aber genau! Nach dieser Verlängerung gibt’s dann keinen Aufschub mehr, sie wartet aber geduldig, bis wir ausgehfertig sind.

Bei leichtem Nieselregen schlagen wir heute mal einen längeren Weg durch den Wald ein. Weil Gina ja nie wegläuft, leinen wir sie dann auch ab. Plötzlich geht ihre Nase zum Boden, sie hat eine Spur aufgenommen- und wie ein Pfeil schießt sie in Richtung Wald. Schock! Sie bleibt in Sichtweite, aber der Radius ist doch diesmal viel größer als sonst. Ich bin froh, als sie wieder bei uns ist und leine sie auch gleich an. Gerade vorhin haben wir ein Reh gesichtet, wir wollen lieber nichts riskieren.

An all diesen Verhaltensweisen kann man Ginas Vergangenheit nur erahnen. Heute Morgen laufen wir einfach mal stur unseren Weg, zum Teil „bei Fuß“ an der Leine und zum anderen Teil frei. Nur einmal verstecke ich mich hinter einem Baum oder versuche es zumindest! Ginas Adleraugen entgeht nichts, auch wenn sie die ganze Zeit leichtfüßig vor uns hertrabt.

Auch heute muss das Frühstück wieder verdient werden: Same procedure as every day… Als wir uns endlich an den gedeckten Tisch setzen können, bekommt auch Gina ihre Decke hingelegt, die bald heftig malträtiert wird. Und genauso schnell ist sie auch wieder weggeräumt!

Gina ist schon bedeutend ruhiger geworden, und sie deutet unsere Zeichen sehr richtig. Sieht sogar Misha beim futtern zu, und das, obwohl ihr sein Essen auch hervorragend schmeckt! Nur als eine Katze über den Hof läuft, flippt sie wieder mal gewaltig aus; wir ahnen langsam, warum sie nicht allein bleiben kann…

Das alles, Gebell, Knurren, Ausraster und ähnliches sind Verhaltensmuster, die Gina sich angeeignet hat und die wir gern ändern möchten. Wir gehen davon aus, dass sich das erst gefestigt haben muss, bevor wir anfangen können, das Allein bleiben zu üben. Alles zu seiner Zeit! Seit gestern bekommt Gina keine Medizin mehr; wir konnten noch keine Verschlechterung ihres Allgemeinzustandes feststellen.

Am Nachmittag gehe ich für 2 Stunden aus dem Haus. Mein Mann berichtet danach von nervösem Hin und herlaufen, Bellen und völliger Nichtbeachtung, es ist, als ob er gar nicht da gewesen wäre… Ein Bekannter hält Gina am Abend eine selbst frisch gedrehte Zigarette vor die Nase, worauf sie etwas erschreckt zurückweicht und zur Seite wegläuft. Scheinbar weiß sie genau, was das ist und kann die Gefahr gut einschätzen.

Gina wirkt jetzt deutlich entspannt. Während des Abendessens liegt sie glücklich eingerollt auf ihrer Decke, beide Vierbeiner „buhlen“ um die besten Plätze in unserer Nähe, es ist zu putzig. Bei Fuß Laufen geht immer besser, die Abendrunde laufen beide komplett angeleint. Es ist finstere Nacht und man kann kaum etwas sehen.

Nachdem Misha gefressen hat, bekommt Gina seine letzten Brocken noch als Suchspiel. Das ist das Highlight vor der Nachtruhe!

19. Februar 2012

So langsam gewöhnt sich Gina an das allmorgendliche Ritual, das erste Weckerläuten dient nur dem ersten Aufwachen, da kann man sich noch mal kurz hinlegen. Da Gina alle Anweisungen brav befolgt, wird sie von jedem von uns ausgiebig begrüßt, was wohl in den Kopf steigt, wie sich später draußen zeigt. Es scheint, als ob die Süße bei zuviel Lob schnell übermütig wird. Sie prescht voraus und wir fangen mit dem „bei Fuß gehen“ wieder ziemlich von vorne an.

Frühstück für beide, Gina muss für ihr Essen wieder arbeiten, bekommt jedoch für „fang das Lulu“ eine Extra-Portion und für „Platz“ auch mehr Brocken als für alles andere. Sie ist sehr klug und wird mit der Zeit sicher den Unterschied erkennen.

Da Misha meine Befehle immer als Erster befolgt und die besten Plätze belegt, hole ich für Gina ihre Decke, auf der sie den Befehl „Ablegen“ gleich tadellos ausführt. Wir können ungestört frühstücken. päter ist wieder das große Fenster interessant, Gina hat ihren Posten bezogen und grummelt jedes Mal leise vor sich hin, wenn draußen jemand über den Parkplatz läuft. it Misha als Komplizen versuche ich, ihr das schrittweise abzugewöhnen, indem ich ihn für sein vorbildliches Verhalten lobe und belohne und Gina links liegen lasse.

Es gibt einen Punkt, an dem Gina  genug hat, das zeigt sich, wenn die Futterspiele ihr zu lange dauern oder wenn sie viele Anordnungen hintereinander ausführen soll, dabei auch so ungeliebte wie den „Platz“-Befehl; dann verweigert sie den Gehorsam und knurrt leise. ch bin hin- und hergerissen zwischen: der Hund muss gehorsam sein und der Hund ist überfordert, bestehe aber dann nicht mehr auf Gehorsam bis zur Konfrontation, denn das kann, wie gerade erlebt, ganz schnell umschlagen. o langsam findet sie aber ihren Platz und merkt auch, dass wir es gut mit ihr meinen und sie keine Angst haben muss.

Ginas Lautäußerungen sind äußerst facettenreich, das geht vom leisen Fiepen über Grummeln, Knurren in verschiedenen Tiefen und Lautstärken bis zum Bellen in mindestens 5 verschiedenen Tonlagen. öchstwahrscheinlich hat sie damit bisher immer Aufmerksamkeit erweckt . inerseits fällt diese Anspannung jetzt nach und nach von ihr ab und sie verbringt immer mehr Zeit mit Dösen und Schlafen, andererseits ist es auch für sie schwer (gewesen), ihre Position aufzugeben bzw. zu verschlechtern. ie wird noch eine Zeit lang brauchen, bis sie weiß, wo ihr Platz ist, in diesen Tagen ist aber schon eine erstaunliche Wandlung passiert und ihr sanftmütiges Wesen kommt zunehmend stärker zum Ausdruck. treicheleinheiten genießt sie jetzt in vollen Zügen!

Die Nachmittagsrunde bei Schneeregen läuft sie zu großen Teilen frei „bei Fuß“ und ist konzentriert darauf bedacht, alles richtig zu machen. ina und Misha sind ein prima Gespann, sie spielen toll miteinander und der Terrier führt alle an Gina adressierten Befehle vorbildlich aus! Wir hoffen, sie nimmt sich ein Beispiel daran, zumindest an der Schnelligkeit müssen wir noch arbeiten…

Ein Phänomen konnten wir beobachten: Wenn Gina in großen Stress gerät, geht sie auf den kleinen Berberteppich im Flur und scharrt hektisch; ein Teppichklopfer würde keine besseren Dienste leisten! uch das Bellen bei Geräuschen im Hausflur konnten wir leider noch nicht abstellen. ls ich beim Herumalbern von einem Bein aufs andere hüpfe, packt Gina mein Bein mit beiden Pfoten von hinten- Schreck lass nach! Sie ist dabei sehr vorsichtig, es tut nichts weh und sie beißt auch nicht zu. Ich denke aber doch darüber nach, was ihr da in der Vergangenheit wohl beigebracht wurde und zu welchem Zweck?

Abends darf sie wieder auf ihrer Decke liegen, ihr Abendessen  hat sie heute zur Hälfte im Liegen (d.h. im „Platz“-Befehl) eingenommen. „Fang das Lulu“ klappt immer besser! ls ich das Scharr-Geräusch wieder im Flur vernehme, komme ich dazu und blicke in ein entsetztes Hundegesicht, das so aussieht, als wollte es sagen: „Ich kann nicht anders“; Arme Gina! ieder geht ein Tag zu Ende, der recht aufschlussreich für uns war.

20. Februar 2012

Das Morgenritual spielt sich ein, Gassi gehen, Frühstück und Autofahrt werden routiniert absolviert. Die Mittagsrunde wird wieder zum Spielen genutzt (juchhu!), nur, als wir einen Beagle-Opa aus der Nachbarschaft treffen, wird Gina von ihrem Beschützer Misha in die Schranken gewiesen.

Wieder zurück, sitzt im Hof eine schwarze Katze mit Riesen-Buckel- und Gina ist außer sich!!! Sie bäumt sich auf, versucht, sich aus dem Halsband zu befreien und zerrt so heftig an der Leine, dass ich mich nur mühsam hinters Auto retten kann, wo ich eine Möglichkeit zum Festhalten finde. Zum Glück sucht die Katze dann das Weite, ich hatte schon gedacht, ich müsste den restlichen Nachmittag hinterm Auto verbringen!

Gina brummt jetzt nur noch, wenn ihr etwas nicht passt, das Zähne blecken ist Vergangenheit, sie braucht es auch nicht mehr! Wenn sie mit ihren schönen Mandelaugen im Körbchen liegt und schläft, glaubt man gar nicht, dass keiner sie haben wollte…

Eins habe ich vergessen: Zwischendurch hat Gina doch immer wieder mal versucht, Sofa oder Sessel zu erklimmen, zum Glück haben wir es sofort gesehen und unterbinden können, das wäre ein großer Rückfall
gewesen! Bei allen Erfolgen wird es die sicher immer noch mal geben.
 
Zuhause angekommen wird erst mal das Abendessen vorbereitet und Gina erträgt das Gewusel mit großer Gelassenheit. Als unser Mitbewohner ihr ein Spielzeug von Misha zuwirft, wird sie jedoch übermütig. Sie bearbeitet das Quietschteil intensiv und klaut Misha später auch noch seinen Kauknochen. Das sind die (selten gewordenen) Momente, in denen sie wieder Oberwasser gewinnt. Dann muss man sie mit eindeutigen Signalen wieder „einnorden“. Auch die Abendmahlzeit bekommt sie wieder halb im „Platz“.

Gina ist abgesehen von ihren erworbenen Ängsten eine selbstbewusste Hündin. Heute Abend sieht man deutlich, dass sie sich bemüht, alles richtig zu machen. Sie sucht einen Platz in unserer Nähe, deshalb bekommt sie ihre Decke noch mal hingelegt und nimmt sie auch gleich in Beschlag.

Nach dem letzten Gang, bei dem Gina das „bei Fuß gehen“ wieder mal schwer fällt, sind wir alle müde. Team-Arbeit kann auch ganz schön anstrengend sein!

21. Februar 2012

Am Morgen des Faschingsdienstags ist auch in unserem kleinen, eher ländlichen Ort niemand draußen. Helau! Heute Morgen steht Gina „Gewehr bei Fuß“ am Frühstückstisch und schaut mit Stielaugen auf die dort ausgebreiteten Delikatessen. Sie hält sich zurück, hat aber bestimmt schon für Zweibeiner gedachte Leckereien probiert! Sie fordert uns ganz schön heraus, einerseits lernt sie gut und führt Befehle artig aus, andererseits wittert sie den Braten sofort , wenn man ihr Freiräume gestattet und testet aus, wie weit sie gehen kann. So wird man als Mensch noch zur absoluten Konsequenz erzogen!

Am Arbeitsplatz hat Gina jetzt ihr Körbchen als Rückzug akzeptiert und ist froh, sich dorthin verkrümeln zu können. Allerdings dringen eine Menge Geräusche von draußen herein und sie ist noch nicht so gefestigt, dass es sie kalt lässt, sie bellt dann mit Misha um die Wette, manchmal kann man es sogar „kläffen“ nennen. Leider gelingt es mir nicht immer, Ruhe zu schaffen, indem ich den gut erzogenen Russen einschwöre, aber ab und zu ist das wirkungsvoll. Irgendwann sind jedoch beide so genervt, dass wir früher als sonst zur Mittagsrunde aufbrechen. Es ist weit und breit niemand zu sehen und unser Gang recht entspannt. Anschließend fahren wir nach Hause, an diesem Nachmittag ist niemand mehr zu erwarten, die „Narren“ sind anderweitig unterwegs.

Nach dem Essen legen wir eine Ruhepause ein, in der Gina auch zur Ruhe kommt. Nach dieser sehr angenehmen Stunde ist es dann allerdings mit der Idylle vorbei, als ein Samtpfötchen über den Parkplatz vorm Haus flitzt! Es scheint, als ob Gina auf Katzen angesetzt worden wäre, sie ist da richtig im Stress und rennt von einem Fenster ans andere; es ist bereits etwas besser geworden, braucht aber immer noch eine Weile, sie zu beruhigen. Um uns über die Vorgehensweise in einem solchen Fall auszutauschen, haben wir inzwischen schon so etwas wie einen Geheimcode entwickelt, das Wort „Katze“ nehmen wir nur noch ganz selten in den Mund, um zusätzliche Aufregung zu vermeiden. Samtpfötchen, Mäusefänger, Stubentiger und ähnliche Begriffe dienen uns als Synonym - man wird da echt kreativ!

Nachmittags gehen wir etwas später raus und laufen eine große Runde durch den Wald; die meisten Hundeleute sind mit ihren Wuffels schon durch und so haben wir freie Bahn. Im Wald nimmt Gina scheinbar wieder eine Spur auf; das geschieht so plötzlich, dass wir nicht rechtzeitig reagieren können. Sie bleibt zwar in Sichtweite, kommt aber erst nach mehrmaliger Aufforderung zurück. Das passt Misha, dem Beschützer, gar nicht – und beide kriegen sich schwer in die Wolle! Im Anschluss an diesen „Kampf ist unser „Bärchen“ erst mal erledigt, er und Gina traben schweigend weiter, vorsichtig bedacht, den anderen nicht übermäßig zu reizen. Die nächste Wiese wird dann noch mal zum Abreagieren genutzt, bevor wir wieder auf unser Domizil zusteuern. Nach diesen Erlebnissen ist unsere Süße etwas kleinlaut, der Riese hat ihr klargemacht, wie man sich zu benehmen hat!

Abendessen für Gina: Sie kennt das jetzt schon und macht alle Übungen prima mit, auch das Fressen aus meiner Hand in der „Platz“- Haltung fällt ihr jetzt leicht; sie hat echt Hunger! Beides, der lange Spaziergang und die Erarbeitung ihres Futters, haben sie müde gemacht und sie liegt eine lange Zeit ganz friedlich auf ihrer Decke, die sie sich erst mal zurechtgewühlt hat. Ihre Decke weiß Gina jetzt zu schätzen, sie ist so etwas wie eine kleine Insel, und sie bleibt auch ruhig darauf liegen, während sich um sie herum alles bewegt. Selbst als Misha seine Abendmahlzeit einnimmt… Das ist schon ein Fortschritt!

Heute sehen wir uns seit Jahren mal etwas im Fernsehen an und zwei Vierbeiner sind so unauffällig um uns herum drapiert, dass man glatt vergessen könnte, dass sie da sind. Der Spaziergang am Nachmittag hat sie so müde gemacht, dass sie auch vorm Schlafen gehen nicht mehr raus wollen. Gina verbringt den ganzen Abend glücklich eingerollt auf ihrer Decke und verschwindet von dort direkt in ihr Schlafkörbchen.

22. Februar 2012

Wir haben alle tief und fest geschlafen, keiner hat Misha nachts Wasser schlabbern hören und Gina reagiert auch nicht auf das erste Läuten des Weckers. Erst als ich sie direkt anspreche, kommt sie ganz ruhig angelaufen und lässt sich im „Sitz“ zur Begrüßung streicheln. Die unaufgeregten Tagesabläufe tun ihr gut, auch später beim Füttern gebe ich ihr die Futterbrocken ungeachtet der Geräusche von draußen und sie frisst wieder mit Appetit. Natürlich muss sie ihr Frühstück erarbeiten und man merkt ihr manchmal richtig an, dass sie nachdenkt, z.B. beim Pfötchen geben. Das Knurren ist selten geworden, das einzige, was sie jetzt wirklich noch aufwühlt, sind die Katzen, die sie am Fenster sieht.

Am Vormittag gehe zuerst ich, danach mein Mann für 1 – 2 Stunden aus dem Haus. Gina bleibt ganz gelassen und genießt, genau wie Misha, die ersten Sonnenstrahlen. Es ist eine wohltuende Ruhe, die uns umgibt und wir sind dankbar, dass wir Gina das ermöglichen können, dankbar auch dafür, dass wir sie haben. Heute Mittag gibt es Pizza und während ich den Teig ansetze und die Zutaten schnippele, ist von beiden nichts zu sehen und zu hören, erst, als der Schlüssel sich in der Haustür dreht und Herrchen hereinkommt. Der wird natürlich freudig begrüßt!

Nach dem Essen legen wir eine Pause ein, der sich die Zwei gern anschließen, bevor es rausgeht. Unterwegs treffen wir eine Bekannte beim Walking und nehmen uns Zeit für einen kleinen Plausch. Misha setzt sich gleich hin und Gina wartet brav und geduldig ab, nicht ohne mal an Mensch und Stöcken vorsichtig geschnuppert zu haben. Die Sonne begleitet uns auf unserem gesamten Rundgang, das tut richtig gut! Gina läuft entspannt voraus und nur die letzten 500 Meter „bei Fuß“, was sie auch prima durchhält.

Das Abendessen gibt’s diesmal etwas früher für sie, weil wir zum Kaffee eingeladen sind. Heute genau vor 14 Tagen um 11 Uhr ist Gina in unser Leben geschneit, wir können jedoch kaum glauben, dass es erst zwei Wochen sind.

Um 17 Uhr stehen wir vor der Tür unserer Bekannten, Gina und Misha haben wir vorerst oben gelassen, sie sind nicht allein. Da wir Gina jedoch ununterbrochen bellen hören, holen wir sie, mitsamt ihrer Decke, zu uns, breiten diese neben uns aus und wenden uns Kaffee und Kuchen sowie unserer Gastgeberin zu. Es ist ein schöner Nachmittag und nachdem Gina alles ausgiebig beschnüffelt hat, legt sie sich artig hin. Nur einmal steht sie auf und bearbeitet ihre Decke, zerwühlt und „drapiert“ sie solange, bis es ihr bequem erscheint. So hält sie 2,5 Stunden aus, dann bellt sie laut auf und läuft zur Tür. Wir haben uns angeregt unterhalten und hätten uns noch viel zu erzählen, ziehen es jedoch vor, zu gehen. Draußen zeigt sich, dass es richtig war, ein dringendes Bedürfnis hat Gina zu der beschriebenen Lautäußerung genötigt.

Im Anschluss haben wir noch ein Date, deshalb drehen wir noch eine kurze Runde. Von unseren Freunden werden wir bereits erwartet und Gina auch von der Tochter des Hauses neugierig bestaunt.

Es ist eine große Runde, da hinter der Tür und Gina muss erst mal (wieder) alle Gerüche aufnehmen. Dann legt sie sich brav zu unseren Füßen nieder und es vergehen noch mal ca. 2 Stunden mit intensiven Diskussionen. Zwischendurch muss Gina immer mal Stress abbauen, indem sie ihre Decke mit beiden Pfoten bearbeitet, unter dem Tisch, wohin sie sich kurz verzieht, brummt sie leise. Keiner bemerkt es und wir können sie beruhigen und für artiges Ablegen mit einigen Leckerchen belohnen, bis alle aufbrechen.

Draußen gibt es ein kleines Problem: Gina will nicht ins Auto einsteigen! Den Befehl „Hopp“ überhört sie geflissentlich, sodass mein Mann sich damit abfindet, die 5 Kilometer zu Fuß zu absolvieren und geht  schon mal los, während ich mit dem Auto langsam anfahre. Plötzlich legt Gina einen ordentlichen Zahn zu, die Panik steht ihr im Gesicht, und am anderen Ende der Leine ist fast kein Halten mehr! Als ich den Wagen anhalte und Herrchen den Kofferraum öffnet, springt sie blitzschnell hinein. Puh, das wäre geschafft! Zuhause angekommen hole ich Misha nach draußen und wir laufen noch eine größere Runde. Beide sind froh, wieder im vertrauten Umfeld zusammen zu sein und schlummern an diesem Abend friedlich ein.

23. Februar 2012

Auch an diesem Morgen ist keine Menschenseele draußen, wahrscheinlich noch die Nachwirkungen der Fastnacht. Es ist deutlich wärmer geworden und dementsprechend sehen nach einer intensiven Spielrunde auch die (Matsch-) Pfoten der beiden aus! Aber was ist schon ein bisschen Dreck im Vergleich zu der Freude, die sie dabei haben…! Heute kommt beim Frühstück für Gina zusätzlich ein Tuch ins Spiel, auf bzw. unter dem ich Futterbrocken verstecke. Manchmal geht sie schon freiwillig ins „Platz“, sie hat wohl gemerkt, dass es sich so sehr bequem fressen lässt. Sie führt wieder alle Befehle artig aus und findet auch die Brocken unter dem Tuch. Leider dringt vorzeitig ein Geräusch von draußen herein, das sie beunruhigt, ein Händchen voll bleibt also diesmal im Napf.

Die Autofahrt zur Arbeit ist unspektakulär, was uns auffällt, ist nur ein angeknabberter Gurt, der von oben kommt und der Gina in ihrer anfänglichen Aufgeregtheit wohl als „Blitzableiter“ diente…
Naja, etwas Schwund ist immer!

Die Mittagsrunde bei nun wieder kälteren Temperaturen wird wieder ausgiebig zum Spielen genutzt. Viele Wasservögel sind ebenfalls unterwegs und Gina erschreckt sich einmal so vor einem herannahenden Schwan, dass sie mich beinahe unfreiwillig in die Fluten gestürzt hätte! Gut, dass sie an der kurzen Leine ist…

So ausgetobt schläft es sich im (beheizten) Körbchen noch mal so gut. Die nächste Kundin, eine junge Frau, tritt mutig ein, sie ist nicht ängstlich. Allerdings findet sie das, was hinter der Tür zum Vorschein kommt, doch „ganz schön viel Hund!“ Bei so viel Unerschrockenheit zeigen sich „Bärchen“ (Misha) und „Mausespeck“ (Gina) von ihrer allerbesten Seite und lassen sich auch gern mal streicheln. So macht das Arbeitsleben Spaß! Heute ist einiges los und jeder Kunde wird eindrücklich angekündigt. Letztere entscheiden sich aber freiwillig zur Kontaktaufnahme, die meisten davon haben selbst ein Fellnäschen zu Hause. Futter für Gina gibt’s heute etwas früher wegen des straffen Abendprogramms.

Nach getaner Arbeit ist wieder Spielen angesagt, wir laufen in der Abenddämmerung eine längere Strecke. . So können wir auf dem Nachhauseweg noch einen Zwischenstop einlegen. Zuhause angekommen, laden wir aus und gehen ins Haus. Danach muß ich gleich wieder los und bin mehrere Stunden fort. Als ich zurückkomme, erwartet mich ein etwas gestresstes Herrchen, Madame hatte wieder mal ihren eigenen Kopf und wenn sie einmal bellt, kann das länger dauern. Bei einem Glas Rotwein beschließen wir den Abend und die Ruhe ist wieder hergestellt.

24. Februar 2012

Nach so einem Tag fällt das Aufstehen schwer, trotzdem ist es schön, rauszukommen, nicht mal der Nieselregen kann uns die gute Laune verderben. Auf der Wiese nahe der Fisch-Teiche ist eine kleine Furt mitten über dem Bach und Misha fordert Gina zum Spielen heraus. Da! Gina stellt zum ersten Mal ihre Sprungkraft unter Beweis, den Bachlauf samt Böschung, ungefähr 1 Meter, überwindet sie kraftvoll mit einem eleganten Sprung- abgehängt! Misha überlegt… Sie wiederholt das noch 2, 3 Male bis wir zum weitergehen rufen. Kein Zweifel, dass sie auch höhere Hindernisse mit Leichtigkeit bezwingen kann.

Ins Auto „einsteigen“ klappt neuerdings nicht mehr so reibungslos, Gina braucht mehrere Aufforderungen, bis sie im Kofferraum sitzt. Das behagt ihr scheinbar nicht besonders, dort so eingeschränkt zu sein. Heute benimmt sich Gina bei Herrchen super, während ich unterwegs bin, um einige Einkäufe zu erledigen. Ruck Zuck ist es Mittag und etwas Bewegung gefragt, die Luft ist auch nicht mehr so eisig. Zum Spielen haben beide heute wenig Lust, Misha täuscht an und jeder geht dann seiner Wege. Hin und wieder übe ich mit Gina zum wiederholten Mal das „bei Fuß gehen“.

In der Mittagspause hat Gina die Nase immer mal wieder oben am Tisch, es sieht so aus, als ob sie viele dem Menschen zugedachte Lebensmittel kennt. Etliche Male geht sie nach Aufforderung auf ihre Decke und genauso oft steht sie wieder auf. Als ich mich meiner Arbeit am PC zuwende, rollt sie sich aber zufrieden in ihrem Körbchen ein. Nach kurzer Zeit schnarcht sie leise vor sich hin…

Wir müssen schon öfter mal lachen, wenn einer Befehle bekommt und der andere sie perfekt ausführt, in der Hoffnung, ein Lob oder noch besser, ein Leckerchen zu bekommen. Wie soll das werden, wenn unsere Freundin aus der Kur zurück und Gina mit uns allein ist?

Heute Nachmittag müssen wir früher als sonst raus, es ist aber gut, dass Gina sich meldet! Leider darf sie die nächsten 3 Wochen bei Hundebegegnungen nicht frei sein, zumindest bei Rüden würde Misha gewaltigen Rabatz machen. Ich hoffe, sie verlernt ihre Unbekümmertheit nicht… Und jetzt ist erst mal Wochenende!

Auf dem Heimweg machen wir wieder mehrere Stops, unter anderem, um zu Hause nach dem Rechten zu sehen und Einkäufe abzuladen. Zum ersten Mal bleibt Gina für ca. 5 Minuten ganz allein (mit Misha) im Auto, anschließend fahren wir auf unseren Parkplatz. Das untergelegte Handtuch kann ich nicht glattstreichen, nachdem Gina aus dem Auto gesprungen ist, denn es ist nass. Das war wohl die Aufregung…

Seit einigen Tagen bekommt sie ja kein Medikament mehr, ein Versuch mit homöopathischen Tabletten ist nach Kurzem gescheitert. Bislang macht sich die Blasenschwäche auch nicht stärker bemerkbar, es ist wohl hauptsächlich der Stress, der den unkontrollierten Harnabgang begünstigt. Dagegen hilft nur Geduld und Spucke! Abends, nach dem Essen, sehe ich mich nach Gina um und kann sie nirgends entdecken. Ich gerate etwas in Panik, sie wird doch nicht - zur Haustür hinaus gelaufen sein? Türen öffnen kann sie ja… Schließlich, nachdem wir die ganze Wohnung abgesucht haben, entdecken wir sie auf dem Sessel, friedlich eingerollt. Sie weiß sofort, warum sie dort runter muss! Später probiert sie es prompt noch einmal, ganz schön hartnäckig, die Lady! Ein später Gang verspricht uns, dass wir am morgigen Samstag etwas länger schlafen können.

25. Februar 2012

Der Wecker läutet unerbittlich zum wiederholten Mal. Gina, die wohl auch noch müde ist, steigt noch einmal anstandslos in ihr Körbchen. Die Uhr zeigt 7.50 Uhr an. AUFSTEHEN! Im Flur ist bereits ein lautes Klopfen zu hören, auch Misha freut sich auf ausgiebige Begrüßung und eine Knuddelrunde! Es geht gleich los, und es ist auch gar nicht mehr so kalt.

Bei ihrem Frühstück muss ich mit Gina häufiger das „Sitz“ üben, sie möchte ihr Futter jetzt am liebsten komplett im Liegen einnehmen, das ist ja so herrlich bequem! Also immer wieder aufstehen und neu „Sitz“ machen. Zusätzlich verstecke ich einige Brocken unter ihrem Tuch. Das ist ein von mir bemaltes Seidentuch für Dekozwecke, ich finde, es passt sehr gut zu Gina und habe es ihr als Zudecke sozusagen geschenkt. Sie geht sehr vorsichtig damit um und findet auch fast alles.

Die großen Fenster und das geschäftige Treiben auf dem Parkplatz fesselt Ginas Aufmerksamkeit nach wie vor, manchmal bellt sie sehr lange. Hin und wieder kann man sie beruhigen, besonders wenn wir entnervt seufzen, horcht sie auf, das zieht aber leider nicht immer. Wir hoffen, dass es uninteressant für sie wird, wenn wir es nicht weiter beachten. Insgesamt ist sie schon viel ruhiger geworden.

Die Geräusche des Staubsaugers sind Gina nach wie vor suspekt, sie reagiert aber nicht mehr ganz so schreckhaft, sondern geht dem „Ungetüm“ einfach aus dem Weg, meine samstäglichen Reinigungsaktivitäten verfolgt sie erstaunt. Misha wird fürs Wochenende fein gekämmt und gebürstet und Gina bekommt ein paar Streicheleinheiten, da vergisst sie glatt, aus dem Fenster zu sehen! Der Nachmittag ist ruhig, ich gehe für ca. 3 Stunden aus dem Haus, höre beide aber erst bellen, als ich vor der Tür stehe. Ein großer Spaziergang rundet den Nachmittag ab und wir wechseln wieder Freilauf mit einigen Übungen ab. Gina wird immer sicherer, es wird langsam Zeit, die Feldleine herauszuholen, um den Befehlen, die erst nach einiger Überlegung ausgeführt werden, Nachdruck zu verleihen.

Heute Abend muss das „Sitz“ wiederholt geübt werden, es ist ja so bequem, gleich in die Liegeposition zu rutschen, um sich dann das Futter aus meiner Hand einzuverleiben. Auch aus dem „Platz“ wieder in „Sitz“ zu kommen, gelingt Gina nicht. Es soll ja auch nicht bequem sein, sondern sie soll für ihr Futter arbeiten und von der Kopfarbeit müde werden. Das ist am Ende geschafft und der Napf ist leer. Eine Streicheleinheit – die Gina zum Abschluss genießt – und dann geht die Tür wieder auf. Jetzt können wir erst mal essen, bevor Misha sein Futter bekommt. Gina sieht dabei artig zu, er hat sie schon gut erzogen! Ihre Decke wird für Gina zumindest tagsüber ihre Insel und ihre Rückzugsmöglichkeit. Dorthin schicken wir sie auch, wenn sie meint, anschlagen oder etwas melden zu müssen und genau dorthin geht sie jetzt und legt sich artig hin. Die Geräuschempfindlichkeit ist immer noch relativ hoch. So klingt dieser Abend  nach einem letzten späten Gang langsam aus.

26. Februar 2012

Nein, es war kein Traum! Der Wecker kündigt unerbittlich den Morgen an, einmal schütteln und tapp tapp tapp, Gina steht vor dem Bett, auf die allmorgendliche Begrüßung wartend. Im Flur die vertrauten Klopfgeräusche, auch Misha freut sich auf eine Schmuse-Einheit! Etwas später als sonst, mit sonntäglicher Ruhe, starten wir einen längeren Spaziergang. Wir entscheiden kurzfristig, die letzte Ruhestätte unserer beiden Schlappohren aufzusuchen, die mitten im Wald liegt. Dort haben wir sie im Oktober des vergangenen Jahres fast 13 bzw. 14-jährig mit Genehmigung des zuständigen Försters begraben. Über Stock und Stein auf zum Teil schon wieder zugewachsenen Pfaden nähern wir uns unserem Ziel, Gina und ihr Beschützer laufen frei voraus. Da! Es raschelt im Gebüsch, sogar ziemlich laut, Gina schaut gespannt in die Richtung, in der Herrchen einen Überläufer entdeckt hat  Der verzieht sich jetzt in den angrenzenden Wald und - Gina wetzt los. Mein Rufen befolgt sie erst dadurch, dass Misha sich ihr in den Weg stellt und sie mit Nachdruck zurechtweist, ich leine sie auch gleich an. Danke, Bärchen!

Die Grabstätte liegt idyllisch und unberührt und wir verweilen einen Moment andächtig, beide Vierbeiner warten brav. Der Rest des Weges durch den Wald wird an der Leine absolviert, sicher ist sicher. Ginas Nase ist voll im Einsatz und wir fragen uns, ob die Rassebeschreibung stimmt oder nicht doch auch etwas Bracken – Ähnliches bei ihr drin ist… Da wir überdies in einiger Entfernung Schüsse hören, ist es besser, sie so unter Kontrolle zu haben. Madame hat es zwar immer etwas eilig, ist aber bemüht, mit uns Schritt zu halten. Zum Glück ist die Luft jetzt nicht mehr so eisig, das Frühjahr kündigt sich merklich an.

Wieder zu Hause, genießen wir das Frühstück beinahe ungestört; nur irgendein Stubentiger, der draußen vorbeiflitzt oder ein trappeln im Stock über uns wird mal durch lautes Bellen kommentiert. Danach ist wieder Ruhen angesagt, das gleichförmige Klappern der Tastatur wirkt auf alle sehr entspannend. Die Hälfte der Zeit mit Misha haben wir jetzt fast geschafft!

Am Nachmittag verlasse ich meine „Familie“ nochmals für einige Stunden und komme erst Abends zurück. Mein Mann berichtet von Ginas hartnäckigen Versuchen, im Mittelpunkt zu stehen, das kann einen schon manchmal an die Grenzen der eigenen Belastbarkeit führen. Es wird noch eine Weile dauern, bis sie das ablegt (wenn überhaupt…) Um die Lage zu entspannen, brechen wir früher als sonst zum letzten Gang auf. Beide, Gina und Misha achten sorgfältig darauf, dass das Rudel zusammenbleibt. Alles ist wieder gut.

27. Februar 2012

Aufstehen! Gina wird langsam gemütlich, nein, da kann man sich Zeit lassen! Herrchen und Frauchen sind auch noch nicht ausgehfertig… Misha wartet ebenso geduldig im Flur, bis es endlich heißt: „Jetzt geht’s los!“ Gina achtet jetzt darauf, langsam die Stufen herunter zu gehen, damit ich am hinteren Ende der Leine keinen Salto drehe. Die ersten Meter draußen muss dann schwer gezogen werden, leint man sie ab, darf es wieder gemütlicher sein. Wir wissen nicht, ob sie jemals gelernt hat, „bei Fuß“ zu gehen, werden es aber weiterhin üben. Futter gibt es anschließend wie gehabt. Misha ist noch mit seinem Essen beschäftigt und Gina klaut sich frech ein paar Brocken direkt vor seiner Nase. Er lässt es großzügig zu und ich kann sie unmittelbar danach abrufen. Futterneid ist also ein Fremdwort, obwohl beide guten Appetit zeigen.

Die Autofahrt zur Arbeit ist für Gina jetzt schon fast Routine. Misha nimmt seinen Platz ein, er kennt das ja von seinem Frauchen. Gina ist sehr unruhig, sie kann (noch) nicht längere Zeit still liegen, sondern braucht immer wieder Aufmerksamkeit und Anleitung. Es dauert eine ganze Weile und wiederholte Anläufe, bis sie endlich in ihrem Körbchen bleibt.

Was wir bis jetzt bei Gina feststellen konnten: Sie ist ein sehr nervöser Hund, kann nicht lange ruhig liegen oder sitzen bleiben und will am liebsten den ganzen Tag lang animiert werden. Ob das der Grund für ihre Verlassensangst oder die Folge des Alleinlassens ist, wissen wir nicht; nach längerem Überlegen habe ich jetzt in der Apotheke ein homöopathisches Mittel (PhosphorusD6) bestellt, mit dem wir unsere Bemühungen, Ginas Verlassensängste in den Griff zu bekommen, unterstützen möchten. Wir denken und hoffen, dass einige andere Symptome wie z.B. die Nervosität und die Blasenschwäche sich dadurch ebenfalls bessern. Da wir sehr wenig über Gina wissen, müssen wir einfach sehen und abwarten, ob das ein Weg ist. Jetzt, nach der Mittagspause liegt sie endlich in ihrem Körbchen und hält Ruhe, ihr sind ja eben im Stehen schon die Augen zugefallen!

Am Nachmittag ist Gina soweit ruhig – solange vor dem Haus auch Ruhe ist. Stimmen draußen spielender Kinder werden jedoch von Gina zum Anlass genommen, mit Brummen und aufgestellter „Bürste“ an die Tür zu laufen. Danach verschwindet sie jedes Mal schmollend und grummelnd in ihre „Höhle“, wo das Brummen in einem kurzen Aufmaulen endet; es klingt irgendwie beleidigt…

Auf dem Heimweg holen wir das Medikament für Gina in der Apotheke ab, das gleich nach dem Ankommen in etwas Leberwurst zerdrückt gern genommen wird. Beide bekommen ihr Futter und nach einer Ruhephase treten wir den abendlichen Gang an. Wir sind vielleicht 10 Minuten draußen, als in der Ferne, nur gedämpft hörbar, einige Schüsse fallen. Gina horcht kurz auf, dann sprintet sie so plötzlich los, dass ich erst mal Mühe habe, sie an der Leine zu halten. Wir gehen deshalb davon aus, dass bei ihren höchstwahrscheinlich erworbenen jagdlichen Erfahrungen speziell die Schussfestigkeit negativ manipuliert wurde. Erst kurz vor dem Ziel beruhigt sich Gina wieder so weit, dass wir zur gleichen Zeit (!) an der Tür ankommen. „Hundemüde“ sinken wir alle in unsere Betten.

28. Februar 2012

Nach der Phosphorus - Morgentablette, natürlich wieder in Leberwurst, haben wir den vielleicht nicht ganz objektiven Eindruck, dass Gina bereits etwas ruhiger geworden ist – zumindest die wilde Bellerei um alles und Jeden hat etwas nachgelassen. Die Morgenrunde können beide fast komplett frei, also unangeleint, absolvieren, weit und breit ist niemand, ob zwei- oder vierbeinig, zu sehen. Auch als ich nachmittags mit Gina mal allein draußen bin, können wir sogar an einem grauen Stubentiger vorbei laufen, der an der gegenüberliegenden Straßenseite sitzt. Ob das jetzt schon dem Phosphor oder anderen Umständen zuzuschreiben ist, sei dahin gestellt.

Mit der Zeit wird immer deutlicher, dass Gina im Grunde ein ganz liebes sanftmütiges Wesen hat und nur durch erworbene falsche Verhaltensmuster so geworden ist, wie wir es jetzt wahrnehmen. Das, was man für Dominanz halten könnte, ist eher eine überspielte Unsicherheit. Wir müssen wohl noch länger zusammen sein, um Gina viele neue positive Erfahrungen zu ermöglichen, die sie alles weniger Gute vergessen lassen.

Das zeigt sich nach Geschäftsschluss prompt, als ich am Abend noch mal zum Einkaufen fahre. Mein Mann berichtet von nervösem Hin und Herlaufen, wiederholtem Aufhorchen bei jedem noch so kleinen Geräusch sowie andauerndem Gebell, fast wie in der Anfangszeit. Sollte das die Erstverschlimmerung sein? Oder ist das eine Vorschau auf das, was wir in Zukunft zu erwarten haben? Wir wissen es nicht, überhaupt wissen wir recht wenig aus Ginas Leben. Es ist uns aber von Anfang an klar gewesen, dass man nicht alles so umkrempeln kann wie bei einem von Anfang an gut sozialisierten Hund. Und wir denken, dass es noch eine ganze Weile brauchen wird, bis sie die schlechten Gewohnheiten ablegen oder gar vergessen und durch Gutes ersetzen kann, wenn das überhaupt gelingt. Wir arbeiten aber daran.

Manchmal lachen wir auch über Ginas guten Appetit. Wo es etwas essbares gibt, egal, ob für Zwei- oder Vierbeiner, geht ihre Nase hoch, sie hätte sicher nichts dagegen, wenn man ihr immer mal wieder etwas herunterreichen oder wenigstens ab und an ein Bröckchen für sie abfallen würde – nein, sie ist überhaupt nicht verfressen!!! Diese Information bekamen wir von ihrer ehemaligen Besitzerin.

Seit heute morgen trägt Gina einen sogenannten „Rundwürger“ aus weichem Leder, damit sie das „bei Fuß“ gehen besser beachten kann. Den Kettenwürger hatten wir ihr bereits am ersten Tag abgenommen und durch eines der breiten Lederbänder ersetzt, das unsere Schlappohren zurückgelassen haben. Jetzt sollte sie zumindest angeleint Schritt mit uns bzw. mir halten. Nach dem Abendgang gibt es noch die „Medizin“ für Gina, eine in Leberwurst zerdrückte Phosphorus-Tablette. Diese Art der Verarztung gefällt ihr und auch Misha schaut so neidisch zu ihr herüber, dass er wenigstens den winzigen Rest abschlecken darf.

29. Februar 2012

Heute ist Gina genau 3 Wochen bei uns. Und heute Morgen ist sie wieder recht friedlich. Wir arbeiten noch viel mit Leckerchen, um Gina zu erziehen, zum Glück kann sie es vertragen, sie hat eine Bombenfigur und schönes, glänzendes Fell. Draußen ist sie sehr verspielt und agil, die 8 Jahre merkt man ihr nicht an! Trotzdem ist ihr Napf seit einigen Tagen mit Futter für „glückliche Jahre 7+“ gefüllt, dieses enthält etwas weniger Protein.  Sie soll innerlich mal zur Ruhe kommen und es sieht so aus, als wären wir da auf einem guten Weg.

An unserem Außendienst – Tag können wir den Ablauf flexibel gestalten, jeder von uns ist mal außer Haus. Gina ist etwas ruhiger als sonst, der Riesen – Zirkus bei jedem Geräusch fällt aus. Nachmittags machen wir einen größeren Ausflug, die Sonne tut richtig gut, es ist merklich wärmer geworden. Ich übe mit Gina „Fuß und sitz“, es klappt schon ganz gut. Mehr als 4 – 5 Mal kann man das aber nicht machen, sie verliert dann die Lust.

Mit Misha kann Gina sehr schön spielen und er kann sie in ihre Schranken weisen, wenn sie übermütig wird, ein Dream – Team also! Allerdings hat er sie bzw. uns komplett in sein Rudel integriert, sodass wir nicht unglücklich sind, wenn wir andere Vierbeiner, besonders Rüden, nur von weitem sehen – die haben bei „seiner“ Gina nichts zu suchen! Misha imponiert mit einem Stock, den er geschickt im Maul balanciert, läuft Gina voraus, ist er ruck zuck bei ihr, sie schnüffeln und toben zusammen und achten sorgfältig darauf, dass wir alle zusammen bleiben.

Uns zu verstecken ist fast unmöglich, und als es mir doch einmal gelingt, unbemerkt hinter einem Baum zu verschwinden, kommt mein Mann keinen Zentimeter weiter, bis Gina mich gefunden hat. Noch mal ein „Lulu“ suchen im trockenen Laub – feiiiiin, Gina! – dann treten wir den Rückweg an.

Nach dem Essen liegt Gina auf ihrer Decke bei uns, der Fernseher läuft und sie ist total entspannt, zeitweise schnarcht sie sogar leise. Nur einmal läuft sie zur Tür und bellt, etwas kürzer und etwas verhaltener als sonst. Hoffentlich bleibt das so… Futterzeit! Gina folgt mir auf dem Fuß und macht artig alle Übungen mit. Es schmeckt ihr großartig; zum Nachtisch holt sie sich ihre „Medizin“ ab. Trotzdem macht sie auch später Stielaugen, als Misha sein Futter bekommt; am liebsten würde sie das wohl auch noch nehmen.

Sie probiert es mit bellen und brummen und als das erfolglos ist, räuselt sie sich ihre Decke zurecht und lässt sich dann mit einem leisen Stöhnen darauf plumpsen. Und so gehen wir in die 4. Woche mit unserer „Maus“!

01. März 2012

Am heutigen Tag ist die Begrüßung so zögerlich wie selten zuvor. Gina scheint auch müde zu sein… Die ersten Meter draußen werden aber wie gehabt ungeduldig bewältigt, bis sie wieder frei laufen darf. Ihre Tablette (natürlich in Leberwurst!) nimmt Gina mit Begeisterung, auch das anschließende Frühstück mundet. Misha, der seit einiger Zeit Probleme mit der Fettverdauung und deshalb auch manchmal mit dem Fressen hat, stürzt sich nach Aussagen meines Mannes auf sein Futter, sobald er die Kaugeräusche von Gina hinter der Tür hört(!)

Die Nervosität ist heute etwas besser, trotzdem ist sie den ganzen Vormittag unruhig. „Sitz“ macht sie nur zögerlich, oft muß ich mit der Hand nachhelfen. Das ist wohl der Bracken-Dickschädel in ihr? Vormittags gehe ich kurz mit ihr raus, da sie ständig an der Tür hin und her läuft und fiept. Blasenschwäche oder nur Langeweile? Der kleine Gang besänftigt sie nur für kurze Zeit.

Mittags sind wir länger draußen. Auf dem freien Feld, mitten im Naturschutzgebiet, werden beide plötzlich auf 2 Hasen aufmerksam, die in einiger Entfernung lustig Haken schlagen. Wie der Blitz galoppieren sie los, bleiben zwar in Rufweite, legen aber einen ganz schönen Sprint hin. Die Langohren haben schon längst das Weite gesucht, bis Gina und Misha dort ankommen, trotzdem müssen sie erst noch überschüssige Energie abbauen, bevor sie auf Doppelpfiff zu uns zurück kommen.

Der Rückweg geht prima „bei Fuß“, Toben macht müde…

Am Nachmittag ist alles beim Alten, Gina braucht Beschäftigung, wir müssen aber noch arbeiten. Misha kennt das, aber Gina ist das längere Liegen schnell langweilig. Bald liegen Nerven blank, jetzt muss überlegt werden, wie wir weiter vorgehen, damit jeder zu seinem Recht kommt. Es kristallisiert sich langsam heraus, dass Gina bei vielen Geräuschen, die mit unserer Arbeit zu tun haben, panisch reagiert und ähnlich wie ein Kleinkind nervt und quengelt, wenn ihr etwas nicht passt. Wir haben noch nicht herausgefunden, wie wir mit dieser „Störung“ umgehen sollen.

Abends setzt sich die Geräuschempfindlichkeit fort, nach einer sehr entspannten Phase vor dem Fernseher. Wir können sogar für ca. 2 Stunden das Haus zusammen verlassen, unser Mitbewohner und Hunde - Sitter betreut Gina zuverlässig. Es wird jedoch erst ruhig, als wir uns nach der Abendrunde alle zur Nachtruhe begeben.

02. März 2012

Ein Samtpfötchen scheint draußen ums Haus zu springen, Gina ist so außer Rand und Band, dass sie mit einem Satz übers Bett hüpft! Sie weiß genau, dass wir das nicht gern sehen…

Die Morgenrituale sind komplett eingespielt und alles läuft super, bis wir wieder im Geschäft sind. Am späteren Vormittag wirkt Gina erschöpft; ihr fallen die Augen beinahe im Stehen zu, nicht nur die Geräusche der Maschinen, sondern auch einfache Arbeiten in der Werkstatt verursachen jedoch wieder große Panik! Ratlosigkeit ist eine gute Beschreibung unserer augenblicklichen Verfassung… Sollte sich Ginas Zustand auch durch die Gabe des Phosphor-Mittels auf diese Art verändert haben? Jedenfalls kommen jetzt massiv die negativen Verhaltensmuster zum Vorschein.

Gina bellt heiser, man kann schon sagen: kläfft und springt an der Leine (zu Erziehungszwecken angelegt) hoch, will sich aus dem Halsband winden; Leider ist es auch die nächsten beiden Wochen noch so, dass wir durch die Betreuung von Misha mit Gina nicht so arbeiten können, wie es nötig wäre, das macht alles etwas schwierig. Wir hoffen aber, dass wir Gina so weit beruhigen können, dass es zukünftig möglich ist, unserer Arbeit nachzugehen. Das wird sicher noch ein hartes Stück Arbeit...

Umdrehen und weggehen hilft, auch das wird mehrfach herausgefordert. Gina hat einige Tricks drauf, ihr Repertoire ist groß. Im Lauf des Tages müssen wir 2 mal raus, unglaubliche Energie-Reserven müssen abgebaut werden…Dann vergeht die Zeit doch sehr schnell und schon wieder  ist Wochenende!

Beim Aussteigen reißt mich Gina an der Leine fast zu Boden, eine Katze flitzt am Auto vorbei. Gut, dass die Leine so kurz ist… Drinnen gibt’s erst mal Futter für die Süße. Beim Kochen und Essen liegen beide ganz brav neben uns, einer auf jeder Seite. Später bekommt das „Bärchen“ sein Abendessen und Gina liegt ganz dicht neben ihm. Es ist, als ob sie die Brocken abzählt, und natürlich fällt ein wenig von der leckeren Mahlzeit für sie ab, wenn sie brav wartet. Das ist immer ein Highlight!

Einige Male muss unbedingt „Krach“ gemacht werden, vor der Haustür ist ganz schön was los! Misha hat jetzt verdaut und ist bereit für die Nachtrunde. Gina geht ganz gut „bei Fuß“. Es ist spät, 23 Uhr. Zeit zum Schlafen gehen.

03. März 2012

Wir sind wie erschlagen – der Wecker ist schon zum 3. Mal ausgestellt… Es scheint, dass wir immer erholungsbedürftiger werden! War auch ziemlich anstrengend, gestern. Gina macht keine Anstalten, aufzustehen, solange sich Herrchen und Frauchen nicht rühren. Als ich im Flur noch etwas schlaftrunken über Misha steige, steht der plötzlich auf und ich kriege einen Riesenschreck! Gut, dass wir das Bärchen zum Freund haben.

Als Herrchen endlich seinen Morgenkaffee bekommt, sind beide Vierbeiner aber schon etwas ungeduldig, in freudiger Erwartung auf das, was sie draußen vorfinden. Die Sonne lässt sich nicht blicken, trotzdem finden Gina und ihr Freund Zeit und Muße für eine Spiel- und Tobe - Runde. Das neue Halsband zeigt überdies jetzt gute Wirkung, sie drosselt merklich ihr Tempo.  Den Rüden, die uns mit ihren Herrchen begegnen, das sind ein Hovawart und zwei Schäferhunde, weichen wir mal lieber aus, da Misha seine Beschützer – Rolle sehr ernst nimmt, das könnte unsere Kräfte womöglich übersteigen.

Nach dem Füttern frühstücken wir gemütlich. Gina, der das wohl etwas langweilig ist, probiert mal wieder die Wirkung ihrer Lautäußerungen aus. Dabei arbeite ich mit ihrer Verfressenheit, für jedes Bellen von ihr bekommt Misha ein Bröckchen, danach beordere ich Gina auf ihre Decke. Es braucht einige Anläufe, bis Ruhe ist und ein paar Mal möchte sie sich unter den Tisch verkrümeln, was sie nicht soll und nicht darf; irgendwann nimmt sie den alten Wollpullover, den sie von mir bekommen hat und beißt und schüttelt ihn derart, dass zum ersten Mal ein großes Loch entsteht. Sie geht ansonsten sehr vorsichtig mit ihren Sachen um, der Frust muss schon sehr groß gewesen sein.

Danach ist erst mal Ruhe, die Spülmaschine läuft, wir ignorieren Gina komplett und Misha hat sich in sein Körbchen verkrümelt. Zeit für die große Morgentoilette, Gina ist eben eine richtige Dame, die sich ausgiebig pflegt!

Der große Spaziergang gerät etwas zum Desaster, da plötzlich überall Menschen mit ihren Vierbeinern auftauchen, wo wir auch gerade hinwollen. So kommen wir ungewollt mal wieder zum Grab unserer Schlappohren und genießen einen Moment lang die faszinierende Stille dieses schönen Fleckens mitten im Wald. Um unnötige Aufregungen zu vermeiden, gehen wir auf dem gleichen Weg zurück und können kurz vor der Haustür gerade noch einem freilaufenden Schäferhund ausweichen.

Der übrige Nachmittag verläuft ruhig mit den üblichen Aktivitäten zum Wochenende, Sauber machen, Essen zubereiten, Kuchen backen und spülen. Trotzdem sind wir am Abend so platt, dass wir uns zur Abend – oder besser Nacht – Runde (!) raus schleppen müssen; das Ganze fällt dann auch dementsprechend kurz aus.

04. März 2012

Herrchen hat einen frühen Termin, aber wir bleiben noch liegen! Als der Wecker um 7.30 Uhr läutet, schaut ein ziemlich verknautsches Hundegesicht aus dem Körbchen auf…Es vergehen noch ca. 15 Minuten, bis wir uns zum Aufstehen bequemen – Gääähn, es ist doch Sonntag! Huch! Gina steht vor der leeren Bettseite und bevor ich ein Wort sagen kann mit beiden Vorderpfoten darauf – RUNTER!!! Aaaaaaaaaaaber schnell! Geht doch…

Heute Morgen gehen wir mal allein mit Gina raus, das haben wir so abgemacht. Gina soll ihre Freundlichkeit anderen Hunden gegenüber behalten.  Natürlich sind wir an diesem Morgen mutterseelenallein, weit und breit kein Zwei- oder Vierbeiner zu sehen. Auch nicht zu Übungszwecken…Na ja, es wird trotzdem ein gemütlicher Gang, Gina setzt ihre Nase intensiv ein.

Mittagessen und Kaffeetrinken können wir fast ungestört genießen, obwohl die Hundenase bei italienischem Hähnchen und Sachertorte schon interessiert schnuppert!

Aus einem der Zimmer ertönt Techno – Musik, monoton und dumpf. Ein hartes Training… Nachmittags starten wir bei mildem Vorfrühlingswetter einen längeren Gang durch den Wald, die Sonne lässt sich aber nicht blicken. Gina läuft entspannt voraus, Misha bleibt angeleint. Wir haben die Wegstrecke stets im Blick, es ist aber menschenleer. So weit geht hier kaum einer – zu unserer Beruhigung. Nach einer guten Stunde kommen wir wieder zu Hause an. Leider dringen aus dem Stockwerk über uns immer wieder Geräusche herein, die Gina zum Bellen veranlassen – worauf ein Klopfen, ebenfalls über uns, zu hören ist. Irgendwie paradox, zum Glück beruhigt sie sich schneller als vorher und die Futterzeit rückt näher.

Wir üben jetzt noch den Befehl „steh“, ansonsten wird das Gelernte nur wiederholt, das reicht aus. Der Appetit ist nach wie vor gut, es dürfte auch gern mehr von den Leckereien sein!

Gina hat schon noch inneren Stress, dann versucht sie wieder zu scharren oder reagiert sich an meinem alten Pullover ab, der jetzt schon ein großes Loch aufweist. Manchmal wälzt sie sich auch wie eine Irre unter Stöhnen auf dem Boden und ist dann augenscheinlich in einem Trance – artigen Zustand. Wenn man sie in diesem Moment anspricht, schaut sie einen mit angsterfüllten Augen an, die zu sagen scheinen: „Bitte nicht schimpfen, ich kann doch nicht anders…“ Da tut sie mir sehr leid! Ab und an schüttelt sie den Pullover oder „schiebt“ ihre Decke wie einen Putzlappen durchs Zimmer, die Momente werden aber seltener. Wir hoffen, dass sie das weniger Schöne aus ihrer Vergangenheit irgendwann vergessen kann.

Als Misha später beim „Futtern“ ist, will Gina sich frech nur so ein Häppchen vor seiner Nase klauen, sie liegt mit dem Gesicht zu ihm und beobachtet alles ganz genau; es ist einfach zu verlockend… Da fährt der Riese auf und gibt ihr KLAR zu verstehen, wer hier der Chef ist! Einige Brocken lässt er am Schluss  übrig und stellt sich kampflustig daneben; so als wollte er sagen: „Komm doch, du wirst schon sehen, was dir dann blüht…“ Erst als mein Mann ihm seinen „Nachtisch“, einige besondere Hundekekse im Nebenraum verabreicht, kann Gina den Fußboden aufräumen. Sorgfältig wird ein Bröckchen nach dem anderen genommen und genüsslich, aber möglichst leise zerkaut – man kann ja nie wissen! Und so geht wieder ein Wochenende zur Neige.

05. März 2012

Heute ist es im Geschäft ziemlich nervig, nachdem alles andere gut geklappt hat. Gina fordert zunehmend Aufmerksamkeit. Üben mit Leckerchen geht gut, wenn sie sie bekommen hat, geht das Spiel von vorne los. Erhöhte Schwierigkeit durch Misha, der sich prinzipiell in den Weg legt oder setzt und auch eine Belohnung einfordert…

Ginas Facettenreichtum in punkto Bellen ist groß, sie kann einen ganz schön nerven, gut, dass es hier keinen stört! Die Kunden, die heute beim Reinkommen schon mit lautstarkem Gebell begrüßt werden, reagieren verständnisvoll.

Zwischendurch übe ich mit Gina (und zwangsläufig auch Misha!) Platz und Bleib. Die Mittagspause verläuft ruhig, nachdem wir einen schönen Gang im kalten vorfrühlingshaften Gelände gemacht haben. Das Gebell wird höher und immer fordernder, wir versuchen, es zu ignorieren. Gina läuft einige Male zur Tür und springt an die Klinke. Das hat sie schon einige Male in einem Anflug von Panik gemacht. Als wir dann am späteren Nachmittag ein Plätschern an der Tür hören, wissen wir, dass Gina einen Grund für ihr Verhalten hatte (!) Liebe Gina, verzeih bitte, dass wir auch nur Menschen sind!

Da Gina außer Phosphor kein weiteres Medikament (mehr) bekommt, müssen wir also jetzt öfter raus, das ging bis jetzt ganz gut.

Nach der Arbeit gehen wir noch mal ins Feld, und Gina rennt und tobt mit Misha um ihr Leben!!! Es macht sehr viel Spaß, zuzusehen. Der Russe ist nach dem ausgiebigen Spiel erschöpft, Gina auch – kurzfristig; sie regeneriert sich schnell. Jetzt können wir entspannt nach Hause fahren. Auf dem Weg noch ein schneller Einkauf, dann sind wir schon da. Heute Abend backt Frauchen feine Leberwurstkekse als Belohnungshappen. Nach dem Essen duftet es schon aus dem Backofen sehr verführerisch, und: Hab ich’s doch gewusst, die Kekse sind der Renner! Bei beiden…

Damit macht das Lernen Spaß! Trotzdem werden die Geräusche im Haus bis zum Schlafengehen „kommentiert“

06. März 2012

Heute Morgen fällt die Begrüßung am Bett durch Gina zum ersten Mal komplett aus, sie ist tief in ihrem Körbchen vergraben. Nach dem Aufstehen eine schöne Überraschung: Gina hat Mishas restliches Futter vom Vorabend „gefrühstückt“, ein herrlicher Schmaus! Deshalb gibt es nur einige Übungsbrocken, eine Dame sollte schließlich auf ihre Linie achten…

Heute beachte ich Ginas Hinweise und wir gehen zwischenzeitlich mal allein, also ohne Misha raus. Das gibt mir Gelegenheit zum Üben und Wiederholen, und Herrchen kann seine Arbeit verrichten. Eine Freundin ruft an, die in der Nähe wohnt, sie würde gern einen Spaziergang an der sonnigen klaren Vorfrühlings – Luft machen. Super! Zum ersten Mal „packe“ ich Gina allein ins Auto und hole meine Freundin ab, alles verläuft problemlos, Gina zeigt sich von ihrer besten Seite. Wir können uns wunderbar unterhalten, während wir lang durch den Wald laufen, Gina ist stets in Sichtweite. Knapp eineinhalb Stunden später sind wir wieder zurück. Nach der Mittagspause, Misha war inzwischen mit meinem Mann draußen, ist es erstaunlich friedlich, Gina steigt in ihr Körbchen und rollt sich ein. Herrlich! So sollte es sein.

Der Nachmittag ist wieder eher unspektakulär, nur die klingelnden Kunden und Geräusche laut spielender Kinder bringen Gina und Misha noch aus der Fassung. Die Zeit bis zum Feierabend vergeht wie im Flug!

Wir machen, genau wie gestern, noch eine längere Spiel- und Tobe - Runde. Sogar das Bällchen, das wir auf der Wiese gefunden hatten, liegt noch im Gras. Beide spielen prima mit, nur Gina, die meistens schneller am Ziel ankommt, ist hier eindeutig im Vorteil, weshalb Misha sich lieber mal ausgiebig wälzt und dann hoheitsvoll weitertrabt. Er hat einen nahe gelegenen Teich im Auge und würde zu gern ein kühles Bad nehmen. Damit muss er aber leider noch warten, sein inzwischen sehr langes dichtes Fell würde das Wasser aufsaugen wie ein Schwamm, so viele Handtücher haben wir gar nicht mit… Trotzdem haben wir viel Spaß und mein Futterbeutelchen mit den kleinen Leberwurstkeksen trägt ein Übriges dazu bei!

Am Abend, nach dem Essen, sind wieder allerhand Geräusche unter, über uns und vor dem Haus zu hören. Einige Male können wir Gina ablenken, dann wieder ist sie außer sich. Also immer und immer wieder abrufen, auf ihre Decke schicken und „Platz“- Befehl geben. Belohnen. Manchmal passt Gina das gar nicht, dann brummelt sie sich in den Bart, so ein beleidigtes Maulen. Und wenn sie das gar nicht mehr aushält, geht sie scharren. Da braucht sie noch viel Anleitung, muss neue Verhaltensmuster erst einüben. Man kann nur ahnen, wie das in der Vergangenheit mit ihr gehandhabt wurde… Den letzten Gang von heute insgesamt 5 (!) absolviert Gina souverän und fit wie immer, sie geht auch schön „bei Fuß“, und steigt erst in ihr Körbchen, als alle wieder vereint sind und der bzw. die Letzte im Bett ist.

07. März 2012

Oje! So spät! Ich springe aus dem Bett und ins Bad. Auf dem Rückweg begrüße ich Misha auf seinem Lager. Als ich zurückkomme, steht Gina verlegen vor ihrem Körbchen und kommt, als ich sie rufe, zu mir – Guten Morgen, Mausespeck! Dann noch zu Herrchen (Streicheleinheiten kann man ja nie genug haben) und dann wird’s aber Zeit! Die Felder sind noch Raureif – bedeckt und wir laufen mit Winterjacke und Handschuhen ausgerüstet einen für Gina neuen Weg ab. Die Sonne geht auf, es wird ein schöner Tag, wir sind fast allein draußen, ein Traktor fährt an uns vorbei. Fast am Haus angekommen, nähert sich ein Mann mit zwei Schäferhunden – ACHTUNG!!! Misha bleibt stehen und setzt sich im Zeitlupentempo hin. Der Mann kommt seelenruhig näher, wir stehen wie erstarrt. Sieht er nicht unsere Zeichen? Ist das Provokation oder Dummheit? Wir wissen es nicht, drehen aber um und laufen in die andere Richtung, um Stress zu vermeiden. Gina bleibt erstaunlich ruhig, aber Misha dreht sich immer wieder um, hat die Drei voll im Auge. Ich hatte mich gerade aufs Frühstück gefreut, das nun in weite Ferne gerückt ist…Der Mann geht betont langsam, ja, man kann sagen, er schlendert mit seinen Hunden den Weg entlang und braucht eine gefühlte Ewigkeit, um sich so weit zu entfernen, dass wir endlich den Rückweg antreten können. Ich bin, bei aller guten Erziehung, versucht, ihm die Zunge rauszustrecken, beherrsche mich dann aber doch und schwelge, wie mein Liebster, schon mal in Vorfreude auf den ersten Kaffee.

Erst gibt es natürlich noch Futter für beide Fellnasen, und endlich liegen Gina und Misha, sie auf ihrer Decke, er auf dem blanken Steinboden, zufrieden zu unseren Füßen. Gina steht noch 2, 3 Mal auf, denn fürs „Auf die Decke und Platz“ gehen, gibt es ja so ein heißbegehrtes Leckerchen (!), dann ist Ruhe.

Es macht jetzt richtig Spaß mit ihr und wir freuen uns über jeden kleinen Fortschritt. Noch vor wenigen Tagen hatten wir beide so ein unsicheres Gefühl: Wird es jemals möglich sein, alle „Unsitten“ aus ihr heraus zu bekommen?“ Das ist wie weggeblasen! Wir lieben „unsere“ Gina sehr!!! Die Zeit mit Misha nähert sich dem Ende zu, in ihm hat sie aber einen verlässlichen Beschützer und Freund gefunden, das wird sie sicher nicht vergessen.

Natürlich hat Gina in ihrem bisherigen Leben Vieles gelernt, was sie nicht unbedingt gebraucht hätte und natürlich wissen wir, dass wir keinen „unbefleckten“ Vierbeiner bekommen haben, aus dem wir jetzt einen bombig erzogenen Begleiter fürs Leben machen könnten; trotzdem sind wir nach nunmehr vier (ja, erst vier!) Wochen mehr als zufrieden mit dem Erreichten! Einige Freunde und Bekannte haben uns bereits bestätigt, dass wir genau das Richtige getan haben und dass Gina jetzt auch genau da ist, wo sie hingehört. Es kann für uns kein schöneres Kompliment geben, und ich danke Gott und Allen, die uns mit Rat und Tat hilfreich zur Seite standen und stehen, hiermit ganz herzlich! Ohne Euch hätten wir beinahe vorzeitig das Handtuch geworfen und das wäre doch jammerschade gewesen, oder?

Nach dem Mittagessen laufen wir noch eine Strecke, denn nachher hat Herrchen einen geschäftlichen Termin. Das Bällchen ist von Misha heißbegehrt und das zeigt er Gina deutlich, sie bleibt aber hartnäckig und holt es immer wieder. So spielen wir eine ganze Weile, bis wir zurück müssen, weil die Zeit drängt.

Die Hausbewohner kommen langsam von der Arbeit zurück, jedes Türen schlagen und Treppen steigen wird jetzt verbellt. Misha wundert sich… Positives Verhalten wird dagegen von mir belohnt., da macht er natürlich auch mit! Zwischendurch eine Streicheleinheit, das tut gut. Anschließend schiebt Gina ihre Decke mal wieder durchs ganze Wohnzimmer, es sieht ein bisschen aus, als wurde sie den Fußboden wischen. Lustig. Nachdem sie noch einmal im Flur gebellt hat, wagt sie doch tatsächlich einen Versuch, auf den Sessel zu steigen, während ich hier schreibe! Mein scharfes „AB!“ kommentiert sie mit einem unschön gekräuselten, jedoch lautlosen Gesichtsausdruck und legt sich dann schmollend auf ihre Decke. Ist dem Fräulein etwa langweilig?

Insgesamt haben wir aber schon den Eindruck, dass Gina ruhiger geworden ist, sie liegt oft am Tag längere Zeit ganz entspannt auf ihrer Decke, manchmal streckt sie alle Viere von sich. Dann schläft sie tief und fest.

Bei dem Gang, den wir vor unserem Treffen allein mit Gina antreten, treffen wir einen Bekannten im Ort, der ganz gespannt unserer Geschichte lauscht, er kannte uns ja mit unseren Schlappohren. Der Nachbar, der ebenfalls gerade draußen ist, schaltet sich interessiert in das Gespräch ein. Wie sich bald herausstellt, ist er ein großer Dobermann – Fan, Ginas Geschichte rührt ihn sehr.

Unsere Freunde besuchen wir jetzt zum 2. Mal mit Gina und sie legt sich artig auf ihre Decke und rollt sich ein, nachdem sie unter dem Tisch keinen Platz findet bzw. von uns zurückgeschickt wird. Wir unterhalten uns ca. 2 Stunden prächtig, von Gina ist nichts zu sehen und zu hören. Brav! Unsere abschließenden Worte, das aktuelle politische Geschehen betreffend, kommentiert sie aber mit einem entschiedenen „Wuff“!

Misha erwartet uns sehnsüchtig und wir gehen zum letzten Mal für heute raus, dann ist Nachtruhe angesagt!

08. März 2012

Kaum haben wir die Augen aufgeschlagen, sind Gina und Misha schon an der Tür, der Nachbar ist wohl gerade im Aufbruch. Wir beeilen uns mit dem Anziehen und machen uns gleich auf den Weg. Zwei Golden Retriever mit ihrem Frauchen, die den Weg nehmen, auf dem wir eigentlich laufen wollten, gehen wir lieber weiträumig aus dem Weg. Dann ist Frühstückszeit, wir wiederholen „Sitz“ und „Steh“ im Wechsel, Gina befolgt alle Anweisungen gehorsam. Beim Rausgehen erhascht sie noch 3 Brocken von Misha, der sich etwas genervt (?!) abwendet. Jetzt sind wir dran – die Decke leistet wieder gute Dienste – und schon ist es wieder Zeit zum „Abflug“!

Heute ist internationaler Frauentag, ich hole erst mal ein paar Rosen im Nachbarort. Jede Kundin bekommt heute eine davon geschenkt. Mein Mann berichtet, dass Misha „geweint“ hat, als ich zur Tür raus bin. Ich gehe erst mal mit Gina allein nach draußen, das mache ich jetzt zum 3. Mal und so haben wir die sogenannte Blasenschwäche sehr gut im Griff, es ist bzw. bleibt alles trocken. Unterwegs verstecke ich mich ein paar Mal, denn Gina beschäftigt sich weit hinter mir mit Schnüffeln und wirkt recht sorglos. So kann ich unbemerkt hinter einer Hecke oder einem Holzstoß verschwinden. Da kommt sie schon angeprescht und kann gar nicht so schnell stoppen, als sie mich entdeckt! Nachdem sie mich zum dritten Mal gefunden hat, passt sie besser auf und geht auch frei „bei Fuß“.

Im Anschluss an das Mittagessen kommen alle mit und wir spielen im Feld mit unserem Bällchen. Misha „assistiert“ und bringt mir das Bällchen, um Gina zu zeigen, wie man es richtig macht. Die hat noch Schwierigkeiten mit dem aus – geben, dazu muss man sie mit Leckerchen ablenken und den Ball vorsichtig wegnehmen. Ihr Drang, die „Beute“ zu bewachen und verteidigen, ist noch sehr ausgeprägt. Na, wir haben ja Zeit…

Nachmittags ist erst mal ein Schläfchen angesagt – solange keiner klingelt, kann man sich ja entspannen! Wir üben auch wieder mal „aus“ geben mit einer Papprolle, die Gina nicht mehr so stark verteidigt wie am Anfang. Mit etwas Ablenkung kann man sie ihr ganz ruhig abnehmen.
 
Da wir heute bis 20 Uhr arbeiten, gehe ich noch mal mit Gina allein raus. Auf unserem Weg kommt uns ein eine Familie mit einem kleinen Mädchen entgegen. Um den sich zögernd nähernden Menschen das passieren zu erleichtern, lasse ich Gina absitzen und Pfötchen geben, was sie auch brav befolgt. Das Mädchen und seine Mama beobachten den Vorgang interessiert.
Die Mutter fragt interessiert, ob Hunde auch eine Trotzphase haben (!) Ja, sage ich lachend, aber sie geht schneller vorbei! Das Kind wirkt auf mich aber gar nicht trotzig, sondern aufmerksam weitere Anweisungen der Mutter abwartend. So können wir unseren Gang entspannt fortsetzen und noch ein bisschen toben.
Trotzdem „flutet“ Gina kurze Zeit später die Geschäftsräume, nachdem sie einige Male laut gebellt hat und wir wieder nicht hören wollten! Es ist ein untrügliches Zeichen und das Bellen ist anders, höher und fordernder als sonst. Das müssen wir auch noch lernen.
 
Die Zeit bis zum Feierabend vergeht wie im Flug, beide Vierbeiner können sich noch einmal im freien Feld lösen, bevor wir den Heimweg im Auto antreten. Misha schlappt die Treppe hoch und ist den Rest des Abends platt!
Dank des Phosphor-Mittels bleibt auch Gina jetzt ruhiger, obwohl sich die Geräuschkulisse im Haus nicht verändert hat.
Meine vorverlagerten Putzaktivitäten sind weder für Gina noch für Misha ein Grund, ihren gemütlichen Liegeplatz aufzugeben…
 
09. März 2012
 
Keiner hört das erste Weckerläuten, wir schlummern alle noch in süßen Träumen und müssen jetzt einen Zahn zulegen. Das viele Laufen und die frische Luft schenkt uns allen einen gesunden Schlaf!
Die letzten Tage mit Misha stehen bevor und wir räumen schon mal die ersten Sachen zusammen.
Er liegt in seinem Bett, nur der Kopf hängt draußen. Müde hebt er eine Pfote zur Begrüßung.
Draußen sind die Wiesen leicht mit Raureif bedeckt, und weit und breit ist wieder mal keiner zu sehen, so können wir „Mäuschen“ und „Bärchen“ ableinen. Sie wirken immer noch abgespannt und haben es nicht besonders eilig. Misha wird froh sein, dieses Wochenende eine Pause von Gina zu haben, er wird ab heute Abend bis Sonntag betreut und wir gewöhnen uns schon mal wieder zu Hause ein.
 
Auf dem Weg zum Parkplatz huscht ein grau getigertes Samtpfötchen vor dem Auto vorbei, aber Gina registriert es gar nicht. Die Nase ist zwar mal am Boden, aber auch der Zug an der Leine ist nicht so wie sonst. Leichtfüßig springt sie in ihre „rollende Hundehütte“ und wir fahren zur Arbeit.
Nach kurzer Zeit liegen Beide an ihren Plätzen und schlafen. Super!
Die Klappergeräusche der Tastatur wirken auf Mensch und Tier sehr beruhigend!
 
Mittags gehe ich wieder mit meiner Freundin spazieren, Gina im Schlepptau. Sie ist wirklich unkompliziert bei allen Begegnungen, manchmal eher scheu. Einzig das Kommando „Sitz“ fällt ihr zunehmend schwerer…
Als wir schon wieder am Auto sind, fährt gerade ein Quadfahrer an und Gina macht einen Satz an der Leine.
Dann springt sie ins Auto und als der Deckel zuklappt, „verliert“ sie vor lauter Aufregung ein paar Tröpfchen.
Insgesamt ist uns schon aufgefallen, dass ihre Blasenschwäche viel mit ihren Ängsten zu tun hat.
 
Bärchen freut sich schon auf uns und genießt eine ausgiebige Streicheleinheit, dann legen die Beiden sich schweren Herzens ab, denn wir müssen auch noch ein bisschen arbeiten (!).
Ungefähr 2 Stunden später schlägt Gina schon wieder an und ich gehe noch mal mit ihr in die Wiesen. Bis dorthin üben wir „bei Fuß gehen“ und an der Straße absitzen, mit Leberwurst - Leckerchen (fast) kein Problem!
Ich hole mein Bällchen raus und Gina rennt begeistert hin, mit dem Bringen wird es aber wohl noch eine Zeit lang dauern…
Immerhin kann ich es mit einer Belohnung in der anderen Hand wegnehmen, ohne dass sie es grummelnd bewacht und nur darauf lauert, zuzuschnappen. So war es vor 4 Wochen und das ist ein großer Fortschritt!
 
Nach getaner Arbeit toben sich Beide erst noch mal auf der großen Wiese aus, das heißt, Gina fordert zum Spiel auf und Misha versucht, möglichst ohne größere Anstrengungen davon zu kommen. Er ist echt geschafft! Der Arme…
Auf dem Heimweg geben wir noch etwas ab und Gina bleibt für kurze Zeit allein im Auto. Wir hören sie bellen und während wir noch auf der Schnellstraße unterwegs sind, wird das Bellen immer heller und fordernder, der ganze Gesichtsausdruck nach Hilfe schreiend. Dann endet das Gebell abrupt, im Gesicht zeichnet sich ängstliche Beschämung ab. Wir steuern die nächste Parkmöglichkeit an und öffnen den Kofferraum. Auf der Unterlage ist ein kleiner nasser Fleck zu sehen.
Ich gehe mit Gina den gesamten Platz ab und ein paar Mal hin und her, sie ist sehr nervös und wir fahren unverrichteter Dinge in unsere Bleibe der vergangenen Wochen, um zu packen. Misha wirkt etwas irritiert und Gina passt auf, dass sie nicht vergessen wird, sie ist immer bei einem von uns, 100% konzentriert.
Dann schließlich lassen wir Misha (bis zum Montagmorgen) allein zurück und laden Gina wieder ins Auto ein. Beim ersten Mal läuft sie fast an unserem Hoftürchen vorbei!
 
Im Haus wird erst mal ihr Schlafkörbchen aufgestellt, und Gina flitzt hinter ihrem Herrchen die Treppe hoch, um das Ganze zu beobachten. Dann folgt eine ausgiebige Streichelrunde, sie wirkt sehr verunsichert.
Ihr Futter nimmt sie auch hier gern in Verbindung mit den bekannten Übungen, die Umgebung ist reizärmer als vorher. Der Napf wird konzentriert geleert und dann auch gleich von mir weggestellt.
Für die Abendrunde wählen wir einen Ihr unbekannten Weg, damit die Eingewöhnung zu Hause nicht ungewollt erschwert wird.
Wir stoßen mit einem guten Glas Sekt auf unser neues Familienmitglied an und Gina liegt fast an meine Füße angeschmiegt auf ihrer Decke.
An diesem Abend kann man sie unter dem Tisch wie auch in ihrem Körbchen anfassen und streicheln, sie ist total unterwürfig, Hauptsache, wir bleiben bei ihr, so kommt es uns vor.
 
10. März 2012
 
Der Wecker geht heute etwas später an als sonst, Gina kommt vorsichtig ans Bett und leckt meine Hand.
Da ich noch sehr verschlafen bin, erbarmt sich Herrchen, nachdem er sich in Windeseile angezogen hat, einen ersten Gang in den Garten zu unternehmen und Gina erledigt alle „Geschäfte“. Dazu sucht sie sich eine Stelle ganz hinten im Garten, am Zaun zum Nachbargrundstück.
Dann gibt es zuerst Frühstück für sie – heute ist sie wieder etwas geräuschempfindlicher – und dann für uns.
Sie „wischt“ den Boden mit ihrer Decke so, dass sie wieder ganz nah bei meinen Füßen liegt.
Dann ist sie aber ganz ruhig und wir ungestört.
Den anschließenden Gang absolviert sie gut und in angemessenem Tempo „bei Fuß“, alle Begegnungen mit Zwei- und Vierbeinern verlaufen harmonisch.
Einzig der „Sitz“ – Befehl fällt ihr nach wie vor schwer, man muss mit der Hand oder mit Leckerchen nachhelfen.
 
Am frühen Nachmittag meldet sich unser Sohn zu einem Kurzbesuch an. Ihm und seiner Freundin präsentiert sich Gina freudig, aber nicht übermäßig aufgeregt. In den Stunden darauf liegt sie die meiste Zeit brav im Korb und befolgt artig (fast) alle Anweisungen, dafür gibt’s ja auch was Feines!
Nur gegen Ende unseres Gespräches signalisiert sie aufkommende Langeweile, der Nachmittagsspaziergang steht an.
Nachdem sich unser Besuch verabschiedet hat, gehen wir auch gleich los. Es ist ein sehr entspannter Gang, ein paar Mal wechseln wir unvermittelt die Richtung oder verstecken uns abwechselnd, Gina ist aber sehr aufmerksam und bleibt schön in der Nähe. Leider dürfen die Vierbeiner, die wir auf unserem Weg treffen, nicht mit ihr spielen. Schade…
 
Ich fahre schnell einkaufen und als ich gerade vor der Haustür meinen Schlüssel suche, schiebt sich schon eine schwarze Hundenase durch den geöffneten Türspalt. Schöne Begrüßung!
Nach einer Tasse Kaffee bekommt Gina ihr Abendfutter, „fang das Lulu“ klappt jetzt prima! Und obwohl wir uns in der Küche „festreden“, steigt Gina im Wohnzimmer in ihr Körbchen und bleibt dort allein.
Mein Mann, der in der Zeit meines Einkaufs einige neue Glühbirnen eingesetzt hat, berichtet jedoch, dass Gina eigenständig die Haustür geöffnet hat und schon halb draußen war. Warum wissen wir auch nicht, er war ja mit ihr in einem Raum.
 
Während des Abendessens ist Gina fast die ganze Zeit  im Wohnzimmer, kommt erst, als abgeräumt wird.
Eine letzte Runde - vom Mond ist heute nichts zu sehen, obwohl gestern Vollmond war…- dann ist Zeit zum Schlafen gehen.
 
11. März 2012
 
Eine Viertelstunde noch…
Um 7.00 Uhr ist Gina munter und wir entschließen uns für einen ersten kleinen Gang. Die Sonne schläft wohl auch noch, dafür treffen wir aber ein 3 Jahre altes schwarzes Labradormädchen mit seinem Frauchen, später gesellt sich noch ein Golden – Retriever - Opa dazu. Die 3 spielen ausgelassen miteinander, nur der Opa ist nach kurzer Zeit geschafft.
Später begleiten mich Gina und Herrchen noch zur Kirche, das klappt super!
 
Da wir spät gefrühstückt haben, gibt’s nur eine Kleinigkeit zu Mittag und die Nachmittagsrunde wird vorverlagert, wir sind fast 2 Stunden unterwegs. Im Wald nimmt Gina plötzlich wieder eine Spur auf, sie jagt weit einen Hang herauf, bleibt aber jederzeit in Sichtweite. Auf die Pfeife reagiert sie noch nicht so gut, wir leinen sie aber an, als sie zurückkommt und machen sie erst wieder los, als der Wald hinter uns liegt.
Auch hier treffen wir einen Bekannten, der am Weg ein Grundstück besitzt und mit seinem kleinen Jagdterrier  dort ist, er hat auch Bienen.
Beide dürfen eine Spielrunde einlegen, was sie auch sichtlich genießen!
 
Zu Hause liegt Gina dann brav auf ihrer Decke, es war doch anstrengend, und wird erst zur Futterzeit wieder munter.
Der Abend verläuft gemütlich und Gina bleibt bis kurz vor dem Aufstehen im großen Korb im Wohnzimmer liegen, nachdem wir am späten Abend noch mal draußen waren.
 
12. März 2012
 
Heute Morgen holen wir Misha zu Fuß in seiner Wohnung ab. Er „begrüßt“ mich mit lautem Gebell und reibt seinen Kopf ausgiebig an meinen Beinen.
Dann ziehen wir wieder gemeinsam los, nach dem Gang gibt’s das Frühstück, heute wie morgen, bei uns.
Anschließend fahren wir zur Arbeit, alles wie gewohnt.
Morgen kommt Mishas Frauchen zurück, dann „ticken“ die Uhren wieder anders. Es war für uns eine lange Zeit der Einschränkung, Gina ist in dieser Hinsicht aber total pflegeleicht, sie macht alles, was man ihr sagt, als wäre es schon immer so gewesen. Kurz vor 12 Uhr steht Gina aus ihrem Körbchen auf, so muss ich heute nicht extra mit ihr laufen.
Nach 4 Wochen hat sie diesmal keine Lust zum Spielen und Misha trabt etwas beleidigt weiter. Armes Bärchen!
Morgen wird er – vorläufig zum letzten Mal – unseren Arbeitsplatz bewachen.
 
Und nachdem jetzt alles in einigermaßen geregelten Bahnen läuft, werde ich hier in Zukunft nur noch besondere Ereignisse schriftlich dokumentieren.
Wir alle würden uns sehr freuen, wenn unser Beispiel als Präzedenzfall möglichst viele Menschen ermuntert, sogenannte „schwierige“ Hunde aufzunehmen und ihnen fortan ein schönes, artgerechtes Leben zu ermöglichen.
 
Denn (mein Motto, frei nach Johann Heinrich Pestalozzi): „Niemand auch kein Hund  ist schlecht, dem nicht in der Vergangenheit der Weg zum Guten erschwert wurde!“
 
Gina genießt jedenfalls ihr „neues“ Leben in vollen Zügen und gibt uns so viel mehr dafür zurück!
Wir danken Gott täglich dafür, dass er uns zusammengeführt hat und übermitteln allen, die an ihrem Schicksal und unserer Geschichte Anteil genommen haben, einen herzlichen Pfotengruß. Bis bald!


   
16. März 2012

Gina lebt sich weiter ein, sie scheint jetzt (endlich) langsam zu begreifen, dass das alles kein Traum ist. Bällchen holt sie mittlerweile mit Begeisterung, nur das Bringen und in die Hand „aus“ geben klappt noch nicht so gut, sie hat es aber schon mehrmals gemacht. Jedenfalls bewacht sie es bzw. andere Gegenstände, die man ihr gibt, nicht mehr so stark, und knurrt nicht mehr, wenn man sich nähert. Mit einem Leckerchen (und manchmal auch ohne) kann man Bällchen und Co ganz ruhig und leicht wegnehmen.

Gestern bei der Abendrunde trafen wir ein Briard-Mädchen, mit dem Gina ausgelassen toben konnte, überhaupt verlaufen alle Hundebegegnungen absolut stressfrei! Die Heimfahrt war ihr aber dann scheinbar so unheimlich, dass sie auf halber Strecke auf den Rücksitz „umgestiegen“ ist, da mussten wir noch mal anhalten und sie wieder in den Kofferraum verfrachten. Heute Morgen ist Einer gefahren, der Andere hat vom Rücksitz aus Gina beobachtet und bei Bedarf beruhigt, so hat’s geklappt. Jetzt, wo Misha nicht mehr mitfährt, ist die Versuchung besonders groß, den freien Platz zu belegen, um näher bei Herrchen und Frauchen zu sein…

Draußen ist Gina sehr verspielt, keiner glaubt, dass sie dieses Jahr 9 Jahre alt wird! Wir geben ihr weiter die Phosphor-Tabletten und denken, dass sie dadurch innerlich ruhiger wird, die Blasenschwäche wird dadurch allerdings leider nicht weiter positiv beeinflusst. Nach wie vor ist sie sehr anhänglich, das Alleinbleiben auch nur ansatzweise zu üben, macht unserer Ansicht nach noch keinen Sinn.

In diesen sonnigen Tagen erlebt unsere Maus sehr viel positive Hundebegegnungen, sie ist sehr verspielt und wenn eine/r der Entgegenkommenden das nicht möchte, dann geht sie eben einfach weiter, das ist toll! So sind unsere Spaziergänge immer sehr entspannt und wir können detailliert an den Befehlen bzw. ihrer Ausführung feilen.

Auch die Geräuschempfindlichkeit ist etwas besser und wir arbeiten weiter daran. Jetzt gerade liegt Gina in ihrem Körbchen zu meinen Füßen unter dem Schreibtisch und döst vor sich hin, es scheint ihr zu gefallen und sie braucht nichts mehr zu verteidigen. Nachdem sie eben einen Riesen – Kauknochen verspeist hat, ist das genau das Richtige! Ich glaube, dass sie jetzt auch kapiert hat, dass wir, wenn einer von uns mal aus dem Haus geht, immer wiederkommen! Ich vernehme leise Schnarchgeräusche…

So kann es weitergehen, bis der Feierabend naht, dann ist noch eine Spiel- und Tobe - Runde angesagt und dann geht’s nach Hause. In diesem Sinne wünschen wir allen ein schönes Wochenende!

21. März 2012

Heute Morgen hat Gina mir das Bällchen mehrmals in meine Hand „aus“ gegeben, danach konnte ich es ihr auch mal direkt aus dem Fang nehmen. Auch das nervöse Gebell ist weniger geworden. Alles in allem kann man sagen, dass Gina sich jetzt gut eingelebt hat. Demnächst werden wir noch ein Hundegitter montieren, sodass sie sich an das Mitfahren im Kofferraum gewöhnt.

Kürzlich stellten wir eher zufällig fest, dass der rechte Fangzahn im Unterkiefer abgebrochen ist. Wann, ist nicht mehr genau nachzuvollziehen, bis jetzt zeigt sie wenigstens keine Schmerzen. Bällchen in die Hand geben, klappt jetzt immer besser, Gina besteht allerdings auf die Belohnung! Spielende schreiende Kinder erschrecken sie (noch) sehr, da sie sehr lieb ist, trauen sich manche aber schon mal, sie zu streicheln. Vielleicht kann sie so ihre Aversionen nach und nach abbauen.

25. März 2012

Seit gestern bekommt Gina ihre Futter – Portion morgens und abends hingestellt und frisst alles mit Appetit in einem Rutsch auf. Heute gab es Hüttenkäse dazu, darauf hat sie sich förmlich gestürzt! Das Bällchen, das wir für sie werfen, bringt sie jetzt und gibt es in die Hand „aus“, auch ohne Leckerchen. Lob hört sie allerdings gern und man muss auf die Zeichen achten, wenn es ihr langweilig wird. Heute haben wir einen großen Spaziergang, es war schon eher eine Wanderung, gemacht. Durch Wald, Feld und Flur war Gina stets bei uns, nichts und niemand konnte sie ablenken. Nur einmal waren einige Mäuselöcher zu verführerisch, um einfach daran vorbeizugehen. Da wir aber zügig weitermarschiert sind, kam sie nach kurzer Zeit angesprintet und ließ uns dann nicht mehr aus dem Augen.

Auch Autofahren wird jetzt, mit dem Hundegitter, Routine. Manchmal fiept sie noch ganz leise, das verliert sich aber zunehmend. Es bleibt auch immer trocken und das Gebell wird weniger, ich denke, wir sind auf dem richtigen Weg. Gina genießt es jetzt, in der Sonne zu liegen und fühlt sich sichtlich wohl! Schnappen und Knurren sind Vergangenheit und auch der Keller hat an Schrecken verloren. Sie kommt und geht die Treppe rauf und runter und findet uns auch, wenn wir sie mal im Garten allein lassen. Sieht aus wie eine gute Voraussetzung, um in absehbarer Zeit das Alleinbleiben zu üben…

27. März 2012

An diesem Morgen haben wir tolle Hundebekanntschaften gemacht und im Anschluss an den Spaziergang auf der Wiese zusammen gespielt. Bällchen holen macht Gina viel Spaß, sie braucht es, sich mal richtig auszutoben. Nur das Wiederbringen ist für sie scheinbar nicht so spannend, man muss achtgeben, wann sie die Lust verliert. Auch haben wir eine Zeit lang am Wasser gesessen und den Enten und Schwänen zugeschaut bzw. die Ruhe genossen. Nach einiger Zeit konnte sie sich entspannt auf eine Seite legen, das hat sie vorher lange nicht gemacht. Wir wollen das weiter üben, denn man merkt Gina an, dass sie die Entspannung genießt - wenn sie sich darauf einlässt. Auch die Geräusche, die sie zu Anfang sehr irritiert haben, machen ihr nichts mehr aus, wenn wir bei ihr sind, fühlt sie sich sicher.

Mit den Gassi - Runden wechseln mein Mann und ich uns jetzt immer mal ab, sodass Gina lernt, darauf zu vertrauen, am Ziel wieder ihr „Rudel“ beieinander zu haben, auch wenn nicht immer alle zusammen losgehen. Sie wird noch einige Zeit brauchen, bis sie wieder vertrauen kann, aber wir sind zuversichtlich, dass sie das Gute sieht. Ihr Futter frisst sie jetzt in einem auf und lässt sich nicht mehr ablenken. Nach 2 Tagen Pause geben wir ihr wieder Phosphor, es ist noch nicht an der Zeit, es abzusetzen.

28. März 2012

Heute hat Gina zum ersten Mal geträumt!


Letzte Chance für Gina !!!   

Gina sollte heute Nachmittag, Dienstag, den 31. Januar, eingeschläfert werden. Wir konnten noch einen Aufschub erreichen bis Montag, dem 6. Februar, wobei dieser Termin die Hündin einschläfern zu lassen definitiv feststeht.

Gina ist sehr sensibel und fixiert auf ihre Bezugsperson. Ihre Bezugsperson war immer der jeweilige Partner ihrer Besitzerin. Jetzt hat sich ihre Besitzerin wieder getrennt und Gina ist völlig verunsichert und ihre Besitzerin kommt nun nicht mehr mit ihr klar.

Gina hatte in den ersten zwei Jahren ihres Lebens bereits 8 Besitzer. Die liebe Gina braucht endlich ein verständnisvolles, endgültiges Zuhause.       
 
  Gina - Dringend Zuhause gesucht
 

Gina, Windhund-Dobermann Hündin, acht Jahre alt, kastriert, geimpft, gechipt, Schulterhöhe ca. 60cm, Gewicht 27 kilo.

 

Gina ist lieb, lustig, gut erzogen und kommt gut mit anderen Hunden aus. Ihr Problem ist, dass sie nicht allein bleibt! In ihren ersten zwei Lebensjahren hat sie acht verschiedene Besitzer gehabt. Die dadurch entstandenen Schäden und Verlassensängste konnten auch Hundetrainer und –therapeuten nicht in den Griff bekommen. Wegen beruflicher Veränderung ihrer Besitzer muss Gina nun mehrere Stunden am Tag allein bleiben. Dann bellt sie ohne Unterlass und demoliert unter Umständen auch die Wohnungseinrichtung. Aufgrund der Kastration hat sie eine leichte Blasenschwäche, die jedoch mit Medikamenten behandelt wird.

Gesucht wird ein Zuhause, wo Gina nicht allein bleiben muss, gern zu anderen Hunden.

 

Kontakt:

Beate Busse

Tel.: 033703 – 68987

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