Schlag auf Schlag

Für den Gnadenhof Eifel begann das Jahr 2011 mit einem Alptraum

 Carlos 1998

Mittwoch, 12. Januar 2011

Bei Carlos wurde bei einer Routineuntersuchung per Ultraschall festgestellt, dass nun auch die linke Herzhälfte schwächer wird. Dadurch erklärt sich leider auch, dass er kein Wasser mehr einlagert. Es ist also kein Grund zur Freude, sondern ein Anlass zur Sorge. Sollte sich bis zur nächsten Kontrolle Anfang März nichts gebessert haben, müssen wir mit einem weiteren Medikament unterstützend eingreifen.

Liebes Carli-Männchen, ich, wir alle hatten uns so für Dich gefreut. Jetzt ist die Angst natürlich wieder riesengroß.

 

 

 

Dienstag, 18. Januar 2011

Rocky & JayJay
Seit einigen Tagen bemerkte ich, dass Rocky nur noch zögerlich fraß. Natürlich denkt man bei einem fast 12-jährigen Hund als erstes an die Zähne, aber die waren ja im Herbst letzten Jahres frisch saniert worden. Es war auch nichts zu sehen. Bei allen meinen Hunden ist es sehr ungewöhnlich, wenn sie nicht mehr fressen wollen, es steckt meistens etwas Ernsthaftes dahinter. Sie alle sind normalerweise so verfressen wie ihre kleine Verwandtschaft, die Beagle. Also wieder in die Klinik zum Ultraschall und nochmals zur Zahnkontrolle. In dieser kurzen Zeit hatte sich die ganze Mundhöhle entzündet, beim Bluttest waren die Leberwerte stark erhöht und in der Gallenblase zeigte sich Grieß.

Mit Medikamenten für Leber und Galle und einem speziellen Antibiotikum ist Rocky jetzt wieder gesund, die Leberwerte sind wieder im Normbereich und der Gallengrieß ist verschwunden.


 

Donnerstag, 27. Januar 2011

Als ich also gerade meinte, aufatmen zu können, fiel mir bei meinem alten Pompadour-Buben eine Verdickung an der Schwanzwurzel auf. Es war abends nach 21 Uhr und so beschloss ich, bis zum nächsten Morgen zu warten. Innerhalb dieser paar Stunden hatte sich die Verdickung so drastisch vergrößert, dass ich im Eiltempo in die Tierklinik fuhr. Wieder 130 endlose, angsterfüllte Kilometer mit meinem kranken Schätzchen an Bord.

Die erste Diagnose war Perinealhernie, also ein Darmbruch. Nach Röntgen, Ultraschall und Computertomographie stand fest, Pompi hatte tatsächlich eine Perinealhernie mit einem Abszess nach außen, gleichzeitig eine entzündete vergrößerte Prostata und – das Schlimmste – ein Lungenkarzinom. Und bis zum Vorabend keinerlei Symptome oder auch nur die kleinsten Schmerzäuße­run­gen. Dabei beobachte ich speziell meine alten Hunde sehr genau – und Pompi ist mit seinen fast 13 Jahren der Zweitälteste der Truppe.

Die sich sofort anschließende Darm-OP bestätigte die Diagnose und Pompi wurde gleich auch noch kastriert. Damit wird einer eventuell wieder auftretenden Perinealhernie und einer weiteren Prostataentzündung vorgebeugt.

Pompi kam ja mit 9 Jahren zu mir und er hat sich so problemlos in die Meute eingefügt, dass ich den Gedanken an eine Kastration immer von mir weg schob. Natürlich wusste ich um mögliche Probleme mit der Prostata, aber es muss ja nicht immer sein – dachte ich. Dass auch eine Perinealhernie nur bei unkastrierten Rüden über 5 Jahren auftritt, wusste ich leider nicht. Durch die sehr oft vergrößerte Prostata bei alten unkastrierten Rüden wird ein normaler Kotabsatz verhindert und die Hunde pressen so lange, bis der Darm durchbricht.

Vom ersten Betreten des Behandlungsraumes bis zum letzten Faden der Wundnaht war Pompi volle 6 Stunden in Behandlung und als ich gegen 19 Uhr alleine die Heimfahrt antrat, wusste ich, dass alles Notwendige getan worden war. Eine Lungen-OP wäre aufgrund seines hohen Alters kaum möglich gewesen, außerdem war zu dem Zeitpunkt nicht bekannt, ob sich hier eine Metastase zeigte oder ob der Tumor primär in der Lunge war.

Pompi musste natürlich noch in der Klinik bleiben – ausgerechnet mein Mamakind, mein Sensibelchen musste jetzt da durch. Natürlich habe ich zweimal am Tag Ärzte und Team genervt und hörte jedes Mal, es gehe ihm besser, aber er fresse kaum. Am Donnerstag war die OP, am Montagnachmittag erhielt ich die  Erlaubnis, ihn am Dienstag gegen die Mittagszeit abholen zu können. Ab diesem Zeitpunkt, so berichteten mir später seine Pfleger, jaulte und schimpfte er in seiner Box ohne Unterbrechung. Als ich am nächsten Tag dann um 12 Uhr die Klinik betrat, hörte ich ihn schon im Eingangsbereich. Er schimpfte sogar noch, als er bereits auf mich zulief, als wollte er sagen, na endlich – es ist Zeit, dass Du kommst. Das ganze Klinikpersonal war froh, als ich nach gründlicher Einweisung mit dem Schreihals die Klinik verließ.

Heimkam ein fröhlicher Pompi mit einem kahl geschorenen Hinterteil, zumeist genervt von seinem scheußlichen Trichter und nachts immer noch von uns getrennt, weil er mit diesem Teil immer auf seine Kumpels einprügelte.

Ich besorgte dann innerhalb von 36 Stunden einen wunderschön gepolsterten Trichter im Internet und mit dem war er viel zufriedener. Ab da ging es mithilfe von Medikamenten stetig aufwärts. Die Wunde ist jetzt schon nicht mehr sichtbar und er ist buchstäblich putzmunter. Er spielt jetzt auch wieder sein Lieblingsspiel mit mir - HATZI-TATZI: Er setzt sich neben mich und legt mir seine Riesentatze auf die Hand, dann lege meine Hand auf seine Pfote und sage TATZI, darauf legt er seine Tatze wieder auf meine Hand. Das macht er zwanzig bis dreißig Mal und lacht dabei über sein ganzes großes und gutmütiges Hundegesichtchen.

Für seinen etwa wachteleigroßen Lungentumor bekommt er den Wirkstoff Piroxicam, ein Schmerzmittel, bei dem festgestellt wurde, dass es das Wachstum einiger Tumorarten beeinflussen kann. Sein Arzt sprach von einer Lebenserwartung von noch etwa einem Jahr, vielleicht auch weniger oder mehr – aber dann wäre Pompi der Hund aus der Meute mit der längsten Überlebensrate. Keiner der armen Wesen wurde älter als 13 Jahre. Ich will jetzt einfach nur hoffen und wie mit allen anderen auch – jeden Tag geniessen.

Was aus diesen schrecklichen Tagen geblieben ist? Eine saftige Rechnung und die Erkenntnis, dass ich alle meine jetzt noch vorhandenen Rüden kastrieren lassen werde. Sie alle sind völlig normal, keiner meiner Hunde ist aufgrund der Kastration dick geworden, es gibt also keinen Grund, zu warten, bis sie im hohen Alter solch eine schlimme OP mitmachen müssen, um sie dann doch kastrieren zu müssen, weil es medizinisch notwendig ist.

 

Donnerstag, 17. Februar 2011

Es hört einfach nicht auf - am Dienstag war ich mit Paulinchen, meinem 12-jährigen Poitevin-Mädchen aus der Meute, in der Tierklinik, weil sich seit Wochen am rechten Mundwinkel eine Verdickung zeigte, die sich genau zwischen Wangeninnen- und außenhaut befand. Die Diagnose reichte von einer unbedenklichen verstopften Talgdrüse, wozu sie schon immer neigt, bis zum bösartigen Fibrosarkom. Da die Blutwerte erfreulich gut waren und die Herztöne unauffällig, wurde sie am Donnerstag operiert. Die OP war von der Mundhöhle aus möglich, so durfte ich sie anschließend auch dann gleich wieder mitnehmen.

Trotzdem, schon wieder ein frisch operierter Hund, der umsorgt werden musste, mit der Angst vor dem Ergebnis im Nacken und wo leider auch die Gefahr bestand, dass sich Wundsekret sammeln würde. Glücklicherweise legte sich Paulinchen immer auf die Wundseite und durch den Druck konnte sich kaum Sekret sammeln – kluges Mädchen, als hätte sie es gewusst. Aber sie ist ja auch ein ganz besonderes Hundekind, immer fröhlich, immer zum Schäkern aufgelegt – ihr liebstes Spiel ist, sich hinter der Türe zu verstecken und nur ein klein bisschen hervorzuschauen. Ich muss dann laut HUHU in ihre Richtung rufen, dann verschwindet sie schnell, um kurz darauf wieder hervor zu spicken und zu warten, dass ich HUHU rufe.

Die Ergebnisse des eingesandten Materials waren niederschmetternd – Spindelzelltumor – so ähnlich wie ein Fibrosarkom. Auch bei ihr setzen wir Piroxicam ein, vielleicht lässt sich so ein Wiederauftauchen des Krebses ein bisschen hinauszögern.

 

Mittwoch, 9. März 2011

Für diesen Tag war ich für Carlos in der Tierklinik zur Routinekontrolle seines Herzens angemeldet. Zwei Tage davor bemerkte ich bei meinem Miro-Schatz eine Verdickung an der Schwanzwurzel. PANIK!!!

Miro ist so etwa 10 – 12 Jahre alt und unkastriert. Gleich nach Pompadour hatte ich schon angefangen, über seine Kastration nachzudenken, entweder per Chip oder durch OP – ich war mir noch nicht ganz sicher. Und jetzt das. Er ging natürlich dann sofort mit in die Klinik und natürlich haben sich alle meine Ängste bestätigt. Auch er hat eine stark vergrößerte Prostata und eine Perinealhernie – auch er hatte keinerlei Symptome gezeigt. Mir fiel nur beim Einsammeln der Hinterlassenschaften auf dem Gelände ein sogenannter Bleistift-Kot auf, da ich aber auch Windhunde habe, die eben kleinere Häufchen absetzen, machte ich mir noch nicht allzu viele Gedanken.

Jetzt wird Miro 2 Wochen hochdosiert mit Antibiotika behandelt und ist für den 21. März zur Darm-OP und Kastration angemeldet. Ich werde mir Mühe geben, Mirchen in der Zeit bis dahin meine Ängste nicht merken zu lassen – ich hoffe, es gelingt mir!

 

 

Wenn ich jetzt so auf die vergangenen zweieinhalb Monate zurückschaue und Bilanz ziehe, dann komme ich auf vier schwerstkranke Hunde und Arzt- und Medikamentenkosten, die mit der noch ausstehenden Operation von Miro zusammen mit den ganzen Fahrten über 4000 Euro ausmachen. Wieder ein Betrag, der unser Vereinskonto weit ins Minus bringen würde und den ich deshalb zum größten Teil selbst bezahle. Denn wenn wir Spenden bekommen, was wunderbarerweise immer wieder auch geschieht und was uns die Kraft zum Durchhalten gibt, dann brauchen wir die für die laufenden Futterkosten – allein hier in der Eifel sind das dieses Jahr schon über 800 Euro und die Futterrechnung für März über 440 Euro liegt schon vor mir.

Und während ich dies schreibe, erfahre ich, dass eine 4-jährige Leishmaniose-kranke Galga, die ich aufnehmen wollte, inzwischen so schlechte Nierenwerte hatte, dass sie noch in Spanien eingeschläfert werden musste.

Manchmal glaube ich, verzweifeln zu müssen, und doch gibt es für uns im Tierschutz immer nur eines: Zähne zusammenbeißen, durchhalten, unseren Tieren helfen und ihnen nicht zeigen, wie traurig wir sind, ihnen Geborgenheit und Liebe entgegenbringen – eine nicht endende Aufgabe, der ich und wir alle uns doch gerne verschrieben haben.

 

Inge Bassi

10. März 2011

Suche

Aktuell sind 6 Gäste und keine Mitglieder online

Kalender

May 2012
Mo Tu We Th Fr Sa Su
30 1 2 3 4 5 6
7 8 9 10 11 12 13
14 15 16 17 18 19 20
21 22 23 24 25 26 27
28 29 30 31 1 2 3

Online Spende

Für jede auch noch so kleine Spende für diese Tiere sind wir dankbar