Abschied von Holly
Es war Ende Oktober als Holly sich von ihren Menschen und von dieser Welt verabschieden musste. Der Schmerz ihrer Besitzer war zu groß, um diese traurige Nachricht gleich anderen mitzuteilen. Und so fällt es auch mir sehr schwer, die richtigen Worte zu finden.
Am 17. August sollte Holly zusammen mit Maurice zu uns kommen. Doch sie war zu krank um ausreisen zu dürfen. Jeden Tag quälte mich die Angst, sie würde es nicht mehr schaffen, das Tierheim verlassen zu dürfen. Erst drei Wochen später hatte Holly das Glück, dass das Ehepaar K. sie im Tierheim abholte und sie bei sich aufnahm.
In der letzten Woche ihres Lebens wurde sie dann schwach und müde. Eines Nachts war sie zu schwach um noch aufzustehen. Ihre Menschen waren bei ihr. In den frühen Morgenstunden erhob sie noch einmal ihren Kopf, sah ihre geliebten Menschen an mit einem Blick, der sagte, helft mir, ich habe Angst. Dann legte sie ihren Kopf wieder auf ihr Kissen. Holly verstarb friedlich und ohne Schmerzen – und ihre Menschen waren bei ihr.
Holly war nie ungezogen, nie fordernd. Sie war nur lieb und dankbar, so bescheiden und voller Lebensfreude und sie holte all das nach, was sie 15 Jahre entbehren musste.
Es fällt mir so schwer, weiterzuschreiben. Zehn Tage zuvor war unser geliebter alter Beagle, Golfo, der 2 ½ Jahre bei uns sein durfte, gestorben. Er war Holly in seinem Wesen so ähnlich. Fünf Tage später starb Orfeo im Tierheim, nur eine Woche bevor er zu uns kommen sollte, ohne jemals erfahren zu dürfen, was es bedeutet von Menschen geliebt zu werden.
Es war das Licht am Ende des Tunnels, das Holly noch vergönnt war, erleben zu dürfen. Es waren nur sieben Wochen nach 15 Jahren des Unrechts, das ihr Menschen angetan hatten, werden wir denken. Doch für Holly begann ein neues Leben am 10. September. Sieben Wochen, jeden Tag, jede Stunde wurde sie umsorgt, verwöhnt und geliebt. Es war das Licht am Ende des Tunnels, für Holly sieben lange Wochen, voller Liebe und Geborgenheit, bevor sie von dieser Welt Abschied nehmen musste.
Jeden Abend gehen ihre Menschen zu einem kleinen Grab auf ihrem Grundstück und zünden eine Kerze an und sprechen zu ihrer geliebten Holly.
Beate



